Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Efraim Urbach von ihm beherrscht werden wird. Sogar das Gebet des Königs Salomo (I Kön 8), dessen universalistischen Charakter auch K. zugibt, zeigt wesentliche Abweichungen von den prophetischen Schilderungen der ״Aharit Hajamim66. In ihm wird nur eine Bitte geäußert, nicht aber eine Gewißheit. Nach den Propheten wird der Anerkennung Gottes durch die Völker weit ein großes historisches Ereignis vorangehen, eine Art neuer Offenbarung, im Gebete Salomos dagegen ist sie nur die Folge der Erhörung der Gebete. Der Geist der Propheten weht auch in diesem Gebete nicht. Die ״Tora-Gruppe66 zeigt keine Spur der prophetischen Wirksamkeit oder Beeinflussung der prophetischen Ideen. Erst die Hagiographen stellen eine Verbindüng der Tora- und Prophetenliteratur dar. Die Reihe K.s lautet demnach: Tora (mit hist. Büchern), Propheten, Hagiographen. Gewiß hat K. — im Gegensatz zu Wellhausen — darin Recht, daß die Propheten ״ebensowenig Israels Moral und geistige Kultur wie seine Sprache geschaffen haben8 .. .66 K. verfällt aber ins kollektivistische Extrem9, indem er die Wirkung der Propheten auf Um- und Nachwelt zu gering einschätzt. Als verhängnisvoll erweist sich überdies die Zusammenfassung der Tora und der sog. ״ersten Propheten66. Gerade die historischen Bücher (bzw. ihre Quellen) lassen uns die Wandlungen erkennen, welche Tora und Propheten im Geistesleben des Volkes bewirkt haben. Gewisse Unterschiede zwischen Tora, Propheten und Geschichtsbüchern beruhen weniger auf dem Mangel einer gegenseitigen Bekanntschaft als vielmehr auf dem verschiedenen Charakter dieser drei Gruppen. Sie sind selbst in zwei Werken eines Verfassers vorhanden, wenn das eine ein Gesetzeskodex ist, das andere sich mit weltanschaulichen Fragen befaßt. Seine mystische Einstellung läßt z. B. Joseph Karo in seinem ״Schulhan ArudT6 nicht durchblicken und der Grundstock des ״Mischne Tora66 würde kaum zu dem Schlüsse führen, daß sein Ver- 8 Vgl. Pedersen S. 180. Die Ausführungen K.s kommen dienen! P.s auch sonst nahe; es ist daher zu bedauern, daß ihm der genannte Aufsatz P.s wie sein großes Werk: Israel, Its Culture and1 Life 1926, unbekannt geblieben sind. 0 Vgl. ob. Anm. 2.