Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Neue Wege der Bibel Wissenschaft 5 fassung, daß die Propheten die Tora oder auch nur Teile von ihr kannten, ab. Seine These lautet: kein Nacheinander von Tora und Propheten, sondern ein Nebeneinander. Die Tora (zu ihr zählt K. auch die Geschichtsbücher) und die prophetische Literatur sind zwei Fassungen des israelitischen Monotheismus, welche wohl eine gemeinsame Quelle haben, sich aber unabhängig von einander entwickelten. Die Schriftpropheten waren nach K. dem Volke wenig bekannt; hochstens nur als Wundertäter und Zukunftsvoraussager. Denn 1. in den Büchern der Könige werden die Schriftpropheten Arnos, Hosea, Jeremia usw. nicht genannt. 2. die Propheten haben als Ursache des Niederganges des Nord- und Südreiches immer den sittlichen und den religiösen Verfall bezeichnet, ersteren sogar bisweilen in den Vordergrund gestellt; in den Büchern der Könige dagegen gilt als Ursache von Niederlagen usw. nur die religiöse Sünde, nicht die moralischen Verfehlungen, von denen sie erzählen; selbst die Tora droht nach K. mit der Bestrafung des gesamten Volkes nicht der ethischsozialen Vergehen wegen. In der ״Tora-Gruppe“ (nach K. von der Genesis bis zu den Büchern der Könige) fehlt also die Lehre vom Primat des Ethischen dem Kultischen gegenüber, wie sie die Propheten prägten (Hosea 6e), und wie sie in den verschiedenen Variationen in den Psalmen (407, 508, 5118) und Sprühen (158, 213, 27, 280) wiederkehrt, er ist in ihr höhstens virtuell enthalten, andererseits ist die Idee der Zentralisation des Kultus der ״Tora-Gruppe“ — seit dem Dt. — eigen. Die Entwicklung des israelitishen Monotheismus hing nicht von der Shriftprophetie, sondern von der Tora ab, die eine ״Volksschöpfung“ mit einem eigenartigen ״priesterlih-völkisehen“ Stil war. Die Reformen der Könige Asa, Jehu, Hizqia, Josia waren kultisher Natur und hatten keinen sozialen und ethishen Charakter. Die Propheten spielten dabei keine Rolle; ihre Lehren übten keinen Einfluß auf die Reformatoren. Auch die Eschatologie der Propheten hat mit der der Tora nihts zu tun. Die Shau eines Gottesreihes, in dem sih alle Menshen zum einzigen Gotte bekennen werden, fehlt in der Tora und den hist. Schriften. Nah ihnen wird selbst in der Zukunft Israel im Gegensatz zur heidnischen Welt stehen, die