Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Neue Wege der Bibelwissenschaft 3 kommen. Dieser hatte offen zugegeben, daß er nicht zu erklären vermochte, weshalb es gerade in Israel einen Kampf gegen den Polytheismus gab, und wieso dieser Kampf zur Entstehung des Monotheismus, zuerst in seiner nationalen und dann in seiner universalen Form, führte. Die Ableitungen des israelitischen Monotheismus vom Sonnenkult des Pharao Echnaton, aus der babylonischen Mythologie oder gar von der Religion der Keniter — einer vollkommen unbekannten Größe — haben selbst in der kritischen Schule nicht viel Anklang ge״ funden und verlieren immer mehr an Wahrscheinlichkeit, je genauer wir die religiöse Literatur der engeren Nachbarn Israels kennen lernen (ich denke an die in Ras-Schamra ent״ deckten Ugarit-Texte). Aber selbst Hinweise auf den sozialen, moralischen Charakter der nationalen Gottheit Israels oder ihre besondere Verbindung mit der Geschichte des Volkes er״ klären im Grunde genommen nichts, weil, wie K. mit Recht betont, alle diese Faktoren auch in den Religionen anderer Völker, z. T. sogar in verstärkter und ausgeprägterer Form gewirkt und dennoch nicht zu monotheistischen Konsequenzen geführt haben. Der israelitische Monotheismus ist nicht aus dem Kampfe gegen den Polytheismus heraus gewachsen, er ist vielmehr die Voraussetzung und Ursache dieses Kampfes. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich ein methodischer Unterschied: man hat nicht nach dem Werden der monotheistischen Idee, sondern nach der Geschichte ihrer Durchsetzung zu fragen. Der Monotheismus ist eine elementare Idee, welche sich nicht erklären und zerlegen läßt. Weniger ansprechend als K.s Grundanschauung ist die Formulierung. K. schreibt: ״Die wahre Quelle (des Monotheismus) war schließlich die schöpferische Kraft der Nation oder der genialen Persönlichkeiten, die der Volksschöpfung einen Weg bahnten“ (9); ״Der Monotheismus war in Israel weder eine Erkenntnis noch eine Anschauung oder ein philosophiseh-theologisches Dogma, er war vielmehr die Grundidee einer Volkskultur.er war eine erstmalige neue Intuition66 (11). Erklären aber die Begriffe ״Volkskultur6‘, ״Volksschöpfung66 oder ״schöpferische Kraft der Nation66 die Quelle des monotheistischen Gedankens, und was hat man 1*