Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Politische Gedanken bei Ibn Bagga
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Politische Gedanken bei Ihn Bägg־a 159 Moment der Leitung. Inwieweit Ihn Bägga von den Ihwan ul-safä beeinflußt ist, bedarf gleichfalls noch der Untersuchung, fest steht aber, daß Ibn Bägga im Einklang mit den Falasifa und Maimonides als das höchste Ziel des Menschen, die Imitatio Dei postuliert als das Einswerden mit dem aktiven Intellekt durch die Hingabe an die spekulative Wissenschaft. Alle diese Fragen bedürfen noch der Lösung durch eingehende Untersuchung des gesamten vorhandenen Werkes Ibn Bäggas und eine gründliche und sorgfältige Vergleichung mit seinen Vorgängern und Nachfolgern. Aus dem Vorhergehenden dürfte aber immerhin ersichtlich sein, daß es an der Zeit ist, Ibn Bägga den ihm gebührenden Platz in der Geschichte der mittelalterlichen Philosophie zuzuweisen und ihn als wichtiges Glied in die Reihe einzuordnen, die mit Kindi beginnt und in Ibn Rushd endet. Im folgenden soll nun versuciit werden, wengstens einen Einblick in ibn Bäggas politische Auffassung zu gewinnen. Die Annäherung an Gott, das Begreifen seines Willens und das Erreichen göttlicher Güter sonder Zahl ist, wie wir gesehen haben, nur durch einen Denkvorgang möglich. Die Denkfähigkeit ist das den Menschen auszeidmende und ihn vom Tier unterscheidende Merkmal, ist aber bei den einzelnen Menschen in verschiedenem Maße entwickelt. Deshalb vollzieht sich die Erkenntnis Gottes auf dem Weg der Schau des Intellekts in Stufen. Die höchste Stufe erreicht der Seher in reiner, klarer, trockener Luft. Die andern Menschen schauen den Intellekt mehr oder weniger verschleiert, wie sie die Sonne je nach Luftbeschaffenheit und menschlichem Standort — ob im Wasser oder in der Luft — sehen. Die Schau des Sehers ist die höchste, während die übrige Menschheit den Intellekt je nach ihrem Schauens vermögen in seinen Spuren in den Intelligibilia in größerer oder geringerer Nähe schaut. Die Absicht der geistigen Schau, des Erfassens der geistigen Formen ist in unserer Natur begründet, weil dies aber nur in einer politischen Gemeinschaft (בקבוץ המדיני) möglich ist. wurden die Menschen in ihren verschiedenen Stufen in Menge geschaffen, damit durch sie der Staat vollkommen werde und