Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über Raschid ad-Daulas jüdischen Ursprung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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150 Walter Fischel sehr belastender hebräischer oder in hebräischen Lettern geschriebener Brief eine nicht unwichtige Rolle. Seine Feinde wollten ihm die Autorschaft dieses Briefes unterschieben, um ihn zu Fall zu bringen und nachzuweisen, daß er zusammen mit einem andern Juden am Hofe23 ein Attentat auf den Il-Khan geplant hatte. Daß Raschid ad-Daula nicht der Verfasser war, stellte sich bald heraus24. Es ist aber recht bezeichnend, daß man ihn als einen solch vertrauten Kenner der hebräischen Sprache betrachtet hatte, daß man ihm überhaupt einen hebräischen Brief zuzuschieben wagen konnte. Und hätte man zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Persien — so fragen wir mit E. Biodhet — die Autorschaft eines hebräischen Briefes jemanden zuschreiben können, der nicht Jude oder mindestens jüdischer Abstammung war25? Mit der Kenntnis der hebräischen Sprache und Schrift verband Raschid ad-Daula aber auch eine Kenntnis jüdischer Sitten und Gebräuche. Als im Jahre 705/1305 mehrere jüdische Ärzte zusammen mit einem Nedjib ad-Daula zum Islam übertreten wollten, soll Raschid ad-Daula dem Ilkhan Uljaitu dargelegt haben, daß der sicherste Beweis für die Islamtreue dieser Renegaten und für ihren Bruch mit der jüdischen Tradition darin bestünde, wenn sie ein in Milch gekochtes Kamelfleischgericht essen würden26. Es scheint also, 23 In der nächsten Umgebung van Raschid ad-Daula am Hofe als Beamte, Ärzte etc. befanden sich auffallend viele Juden oder ehemalige Juden. Vgl. jetzt auch Durar al-Kämina III. S. 232, wo uns noch ein jü& Arzt namens Djaläl b. Hazzän entgegentritt und A.burl Fidä. IV S. 113, wo wir von einem jüd. Arzt Sadid ad-Daula aus späterer Zeit hören. 24 Vgl. die Details bei Quatremere S. XXIII und Blochet S. 60. 25 Während meines Aufenthalts in Persien traf ich zum Islam und zum Christentum übergetretene Juden, auch solche, die sich der Behaibewegung angeschlossen haben — welche die ihnen von früher her besser vertrauten hebräischen Schriftzeichen noch immer für ihre privaten Aufzeichnungen und für ihre Geschäftsbücher verwenden. 26 Vgl. Blochet loc. cit. S. 19/20. Dieser Test hat sich in Persien auch weiter erhalten und wurde nachweislich wieder im 17. Jahrhundert angewandt, als im Verlauf der unter Schah Abbas I. II. erfolgten Judenverfolgungen viele jüdische Gemeinden zwangsweise zum Islam bekehrt