Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 149

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 1
Article
Über Raschid ad-Daulas jüdischen Ursprung
Date
1937-01-01
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2830023-2830025-2850423--54595-2850604
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Über Raschid ad~Daulas jüdischen Ursprung 149 deshalb erhebt sich die Frage, ob seine 30jährige Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft Hamadans21 nicht irgendwie auch nach seinem Übertritt zum Islam in seiner Tätigkeit als Historiker und Staatsmann nachgewirkt hat. In der Tat lassen sich Spuren seiner jüdischen Erziehung und Interessen in ׳vielfacher Hinsicht nachweisen. Es verdient zunächst her vor gehoben zu werden, daß Raschid al-Daula hebräische Sprachkenntnisse besaß. An zahlreichen Stellen seines großen GeschichtsWerkes begegnen wir biblischen Zitaten im hebräischen Urtext und Erklärungen von hebräischen Worten22, wie z. B. יובל, כביד, עולם etc. Das müßte zwar noch nichts Auffallendes sein, denn warum sollte ein Gelehrter von seinem Range, der Persisch, Arabisch, Türkisch, Mongolisch und Chinesisch beherrschte, sich nicht auch mit der hebräischen Sprache vertraut gemacht haben. Schließlieh finden sich auch bei manchen arabischen Schriftstellern — es sei nur an al-Birüni oder an Maqrizi erinnert — hebräische Worte und Zitate. Dennoch war seine Beziehung zum Hebräischen eine ganz andere — und dafür gibt es einen Interessanten Beweis. In den Intrigen mancher Hofkreise zur Zeit von Uljaitu gegen Raschid ad-Daula spricht ein für Raschid ad-DäuLa 21 Hamadan ist d'er Sitz einer d!er ältesten jüdischen Gemeinden in Persien. Es wird mit dem alten Ecbatana, dem Achmathea des Buches Esra 6, 2 identifiziert und von den talm!udischen Quellen zu den biblischen ״Städten Mediens“ gerechnet. In Hamadan befindet sich nach der Tradition der persischen Juden das Grab von Mordekhai und Estr, das noch heute von Juden als ״heilige Stätte“ verehrt wird und Ziel der Wallfahrer zur Purimzeit ist. Bis zum heutigen Tage hat sich in Hamadan eine große Judengemeinde erhalten. 22 Vgl. E. Quatremere 10c. cit. S. 60 ff. Wenn einmal eine Gesamtedition der Werke von Raschid ad-Daula vorliegt,, würde eine Bearbeitung des darin verstreuten hebräischen Sprachgutes ein wesentlicher Beitrag zur Geschichte des Hebräischen und seiner Verbreitung im islamischen Mittel« alter darstellen. Ansätze zu einer Sammlung des hebräischen Sprachgutes bei den arabischen Schriftstellern lieferten bereits I. Goldziher7 Steinschneider, W. Bacher, u. a. Vgl. W. Fischei: ״Jahüdijja: Über den Beginn der jüd. Ansiedlung in Persien“ (hebräisch) Tarbitz, Jerusalem 1935 Vol. IV p. 525, Anm. 23.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.