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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 139

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 1
Article
Hebräische Blumengedichte aus Spanien
Date
1937-01-01
Page
Seite 139 (sequence 9)
Language
German
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Hebräische Blumengedichte aus Spanien 139 Nach einer Wiese, deren Wohlgerüche wehten Und dufteten wie Zimt oder Onyx19 Die Sonne hat ihre Fläche!mit Blumen gestickt, Und auf ihr haben diese ein Gewand von Bläue ausgebreitet20. Dann eine Frühlingsbetrachtung, in der die Rose den Mittelpunkt bildet. Die Übersetzung dieses Gedicktes ins Deutsche ist schwierig, weil die Rose im Hebräischen mannliehen Geschlechtes ist und daher mit einem Könige verglichen werden kann: Bunte Kleider zieht an der Garten, Und eine mehrfarbige Hülle ist das Gewand seines Rasens. In einen gewirkten Rock hüllt sich jeder Baum, Und jedem Auge zeigt er sein Wunder. Jede neue Blüte — wegen der Zeit, die erneuert wurde — Geht lachend hinaus ihrem Besucher entgegen, Doch ihnen voran die Rose schreitet Als König, denn hoch erhoben wurde ihr Thron. Hinausgekommen ist sie aus dem Gewahrsam ihrer Blätter Und wechselt die Kleider ihres Gefängnisses. Wer nicht trinken will seinen Wein neben ihr, Dieser Mensch wird auf sich laden seine Schuld!21 Fassen wir die Eindrücke zusammen, welche die Blumengedickte bei uns hinterlassen, so läßt sich sagen: ein Naturgefühl ist in ihnen vorhanden, wenn es sich auch ganz erheblieh von dem Naturgefühl der neuen europäischen Dichtung unterscheidet. Die Natur der arabischen und hebräischen Dichter wirkt vor allem dekorativ. Es ist dem Dichter darum zu tun, durch möglichst intensive Schilderung von Farben, Klängen und Düften an die Sinne des Lesers zu appellieren; oder aber durch kühne Vergleiche, die manchmal — wie im Gedichte des Ibn Gabiröl — sich zu einem wahren Feuerwerke entfalten können, der Schilderung einen besonderen Schwung zu verleihen. Die Wirklichkeit erfährt eine unerhörte Steigerung; um dieses Effektes willen bedienen sich die Dichter einer übertriebenen Ausdrucksweise, und diese ist es, die manchen Europäer fremdartig berührt. Wir glauben jedoch, daß auch der moderne Leser sich in die Welt der he- 19 Im Original: die Spezereien Qiddä und Sehelet. 20 Das hebr. Original in: משה אבן עזראי שירי החול יוצאים לאור על ידי חיים בראדי Band I, Berlin 1935, Nr. 115. 21 a. a. O., Nr. 5.

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