Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hebräische Blumengedichte aus Spanien
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 8)
- Language
- German
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138 Jefiirv Schirmann Und es webt auf ihnen die Sommerwolke ein buntes Kleid16. Sie sind verschämt, da sich das Auge des Menschen nach ihnen sehnt Und sie wanken hin und her wegen des Seufzens der [Menschen] Seelen. Der Geist des Menschen freut sich an ihrem Duft Wie das Herz des Weisen, wenn er Verborgenes entdeckt. Und wahrlich, würden sie gelegt werden auf die Nase Eines Schlaflosen, so würde er vergessen den Schlaf; Würden sie gegeben werden einem Toten, er würde sie nehmen Und sich freuen im Sarge über sie nach dem Tode; Würden sie kommen ins [Frauen] haus des [Eunuchen] Hege, wegen der Pracht Ihres Aussehens würde;man sie von den Mädchen nicht unterscheiden können17, Ausgewählt hat man sie auf dem Beet des Gartens und sie kamen Ohne Füße, wo doch ihre Schenkel schmächtig sind; Und als sie geschickt hat der Fürst zu mir, Hielt ich sie hoch wie Briefe des Königs, die versiegelt sind Als sie sich stützten zusammen auf die Schale Und auch vermischt auf ihr lagen wie Haufen, [Da war es] als ob sie neidisch waren die eine auf die andere Und mir vortrugen ihre Klagen. Von vollkommener Pracht und Schönheit, ohne daß ihnen fehlte Etwas, sind sie wie deine Taten vollkommen; Lauter, so wie lauter ist dein Herz Und rein ohne Unredlichkeit und Falschheit. Sie bezeugen, daß deine erhobene Hand In der Höhe neben den Sternen des Himmels eine Stätte hat. Es mögen schlagen deine Tugenden die Wangen Der Töchter der Tage18, und sie mögen befleckt werden. Es möge erfüllen an dir Gott seine Gnaden Und vermehren bei dir Kristall und Korallen, Und vernichten deine Feinde und erheben Deinen Platz möge Gott über alle Plätze. Wir beschließen unsere Übersieht mit zwei kleinen Gedichten von Möse ibn ‘Ezra (aus Granada, ca. 1055/60, lebte noch 1139), die ebenfalls zu den besten Mustern der Nuwwärij ja-Gattung gehören. Zunächst ein Lied, in dem das Veilchen dominiert, wenn auch nicht ausschließlich von dieser Blume die Rede ist: Wir erhoben uns in der Frühe berückt vom Weine der Freundschaft, Und nicht war in uns die Kraft zu wandeln 16 Der Wolke, die den Regen erzeugt, verdanken die Rosen ihre Farbe. 17 Vgl. Esther 2, 3; 8, 15. 18 Stereotype Bezeichnung für das widrige Schicksal.