Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hebräische Blumengedichte aus Spanien
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 6)
- Language
- German
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136 Jefim Schirmann über die Blumen sind jedenfalls genau so zarte und duftige Schöpfungen wie die von Semü’el han-NägTd. Hier eine Probe: Dir siehst den blühenden Wild״Jasmin über seinen Zweigen, Wenn er vom Wasser der Wolken sich nährt. Wohlgeordnet sind bei ihm seine Blätter in seinen Gärten, Der Länge nach gespalten, das eine wie das andere, gleichsam mit einem Messer geschnitten; Als ob gelbliche Hyazinthen (Edelsteine) leuchteten am Vormittage, Gereiht über Zweigen von Simaragd.12 Derartige kurze Stücke, die mit wenig Worten eine Welt Yon Farben und Bewegung hervorzaubern, machen den Eindruck Yon Improvisationen, wie sie bei den in verstedmischen Dingen sehr routinierten Arabern und Juden beliebt und verbreitet waren. Hingegen trägt das einzige bekannte Blumengedicht von Selomo ibn Gabiröl (aus Malaga, ca. 1020/21—1057758) einen wesentlich anderen Charakter: es ist dies eine lange Qasida aus 38 Versen13, deren Anfang und Ende die Huldigung an einen Freund enthalten, der dem Dichter eine Schale mit gelben und roten Rosen überreichen ließ; in dieser Hinsicht besteht also eine gewisse Ähnlichkeit mit den Epigrammen von SäÜd und Ibn Darräg*. Der größte Tei1 des Gedichtes von Ibn Gabiröl ist aber ausgefüllt mit einer Schilderung der Blumen, wobei es dem Dichter allerdings weniger auf eine minutiöse exakt-naturalistische Wiedergabe der Wirklichkeit ankommt, als auf eine Aneinanderreihung von Metaphern und Antithesen, welche der Anblick der Rosen in seiner Phantasie auslöst. Rufe, Bote, meinem Freunde Grüße zu, [Ihm], dessen gleichen nicht vorhanden ist auf Erden? Der mich erinnerte — was nicht vergessen wird mein Herz, 12 R. Dozy, Historia Abbadidarum praemisis scriptorum arabum de ea dynastia locis nunc primum editis. T. I. Leyden 1846, S. 225. 13 Weniger als die Hälfte des Gedichtes, dazu noch in lückenhafter Form, ist in der ed. Bialik״Rawnitzki III/l, S. 21—22 abgedruckt. Die deutsche Übersetzung ist jedoch nach dem vollständigen Text des Gedichtes an״ gefertigt, der im Ms. Schocken 39 vorliegt und für die neue Gabirol-Äus״ gäbe des Research Institute for Hebrew Poetry in Jerusalem benutzt werden wird. Schreiber dieser Zeilen spricht seinen verbindlichsten Dank dem Institut sowie seinem Leiter, Herrn Dr. H, Brody, aus, dafür, daß ihm erlaubt wurde, diesen wichtigen Text der Übersetzung zugrunde zu legen.