Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hebräische Blumengedichte aus Spanien
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 5)
- Language
- German
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Hebräische Blumen ge dichte aus Spanien 135 Versammelt euch, denn die Zeit ist vollkommen Jetzt, und die Ordnung־ der Nächte gleicht der Ordnung der Tage.8 Sehet das Antlitz der Erde, die sich gehüllt hat In Gewänder von Königstöchtern, in buntgewirkte, Und trinket das Blut der Rebe über der Rose, Deren Blüten wie Karmesin oder wie Blut aussehen. Betrachtet das Aussehen ihrer Blätter, die gewachsen sind Miteinander verbunden und übereinstimmend, Wie das Gesicht eines Schöngestaltigen, das parfümiert ist Haftet am erröteten Gesicht [des Geliebten].9 In einem anderen kleinen Gedichte des Nägid ist jedoch nur von der besungenen Blume die Rede: Schau den Jasmin, dessen Äste grün sind Wie der Topas und ebenso seine Blätter und Zweige, Dessen Blüten wie Kristalle weiß sind Und wie Rubin rotfarbig seine unteren Blütenteile (?); Gleichsam wie ein Jüngling mit weißem Antlitz, der faßt Das Blut von unschuldigen Männern mit seinen Händen.“10 Wir lassen nun auf das Jasmin-Lied des hebräischen Dichters die Übersetzung eines zeitgenössischen arabischen Stückes über das gleiche Thema folgen. Es erweist sich dabei, daß die Betrachtungsweise der beiden Verfasser und der Stimmungsgehalt der beiden Gedichte einander sehr ahnlieh ist. Seltsamerweise ist der arabische Dichter kein anderer als Muhammad ibn 6Abbäd (Regierungszeit 1023—1042), der heimtückische und ehrgeizige Herrscher von Sevilla11. Es liegt auch eine gewisse Pikanterie darin, daß dieser Mann einer der grimmigsten Feinde des Nägid war und mit ihm gelegentlich die Waffen kreuzte. Ibn Bassäm (st. 1147—48) überliefert drei Gedichte über den Jasmin, die von Ibn 6Abbäd herrühren sollen. Offenbar war dieser kühle Kopf durchaus für lyrische Stimmungen empfänglich: seine Verse 8 D. h. Nächte und Tage sind gleich lang. 9 Das blasse Gesicht der Schönen versinnbildlicht die Blätter der Rose. — Das Gedicht ist gedruckt von I. N. Simchoni im Sammelband אלים (London 1927) S. 112; ferner von H. Brody (s. Davidson, Thesaurus s. v.) und D. Yellin (התקופה Bd. 26—27, S. 614). 10 Im Original: von Männern mit reinen Händen. — Das hebräische Original bei Davidson, Geniza studies III, S. 213; Diwan ed. Sassoon S. 92. 11 Enzyclopaedie des. Islam Bd. I, S. 7 (daselbst Quellen).