Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 1
Article
Die altrussischen Handschriften der Logik und ihre jüdischen Quellen
Date
1937-01-01
Page
Seite 129 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2830023-2830025-2850420--54570-2850584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die altruss. Handschriften d. Logik u. ihre jüdischen Quellen 129 matik stehenden Werks durch einen Juden oder Konvertiten kann auf keine Weise als Grund für seine Zuzählung zu den judaisierenden Schriften betrachtet werden, selbst wenn sie bei einem Sektierer entdeckt würde. Gerade die altrussische Literatur weist in einem wesentlichen Umfange Spuren einer unmittelbaren Beeinflussung durch die jüdische Literatur auf. Diesen Spuren ging Ende des XIX. Jhdts. bei der ältesten Literatur Hermann Baratz nach, dessen Untersuchungen vor einem Jahrzehnt neu gesammelt und in drei Bänden herausgegeben wurden (״Gesammelte Werke zur Frage des jüdischen Elements in den Denkmälern des alten russischen Schrifttums‘6 I—II Paris 1927 und ״Über die Verfasser der russischen Urdenkmäler und deren hauptsächlich jüdische Quellen66, Berlin 1924, russisch). Bei der späteren Literatur gingen diesen Spuren Forscher von Ruf wie N. J. Tichonravov, W. M. Istrin, V. N. Peretz, A. Vesselovski u. a. nach. Zum Teil führt dieser Einfluß auf die reiche, gegen das Judentum gerichtete polemische Literatur der orthodoxen Kirche, zum Teil auf die Tradition der orthodoxen Kirche und den byzantinischen Einfluß, zum Teil jedoch auf direkte Verbindung mit Juden des Südens, von denen sich einige auch zur Taufe verleiten ließen und sogar zu hohen geistlichen Würden gekommen sind (der heilige Nikita aus Kiev, Bischof von Novgorod im XI. Jahrhundert nach Baratz, Archimandrit und spätere heilige Daniel, vielleicht Lukas Zydjata, 2. Bischof von Novgorod, gest. 1059, u. a,). Die vielen hebräisch-russischen Glossare des XIII. Jahrhunderts hatten die Aufgabe, manche unverständlichen Stellen der Bibel zu erklären, die Korrekturen der slavischen Bibel nach, der Massora, ausgeführt von Juden und Konvertiten, sollten die slavischen Versionen dem hebräischen Original getreuer machen und näherbringen, die verschiedenen Chronographen und hauptsächlich, die ״Paleja66 brachten in die altrussische Literatur talmudische Legenden, Midraschim, Volkserzählungen und apokryphisches Gut des Judentums. Die Tatsache, daß die Kiever Handschrift vom Jahre 1483 neben den beiden aus dem Hebräischen übersetzten logischen Schriften viele Gebete des heiligen Kyrill aus Turov enthält, Exzerpte aus den heiligen Kirchenvätern, Worte des heiligen Monatsschrift, 81. Jahrgang־ 9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.