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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 97

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 1
Article
Der Ort der Vorsehungslehre nach der Ansicht Maimunis
Date
1937-01-01
Page
Seite 97 (sequence 5)
Language
German
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Der Ort d. Vorsehungslehre nach d'. Ansicht Maimunis 97 herrscht, daß eben diese Frage ein Thema der natürlichen Theologie, somit der theoretischen Philosophie sei13. Zum Verständnis der zunächst befremdlichen Ansicht Maimunis muß man zwei Momente derselben unterscheiden. Für diese Ansicht ist charakteristisch, daß ihr zufolge 1. die Vorsehungslehre an so später Stelle, nämlich nach den Lehren von Gottes Einheit, von der Schöpfung und von der Prophetie, behandelt wird, und 2. diese späte Behandlung die Zuweisung der Vorsehungslehre an die Politik impliziert. Was die späte Behandlung der Vorsehungsfrage als solche angeht, so begegnet sie in den Anfängen der jüdischen Philosophie des Mittelalters, bei Saadja. In seinen Emunoth wedeoth kommt die Vorsehungsfrage erst vom 5. Traktat an zur Sprache, nachdem in den vorhergehenden Traktaten die Schöpfung, die Einheit Gottes, Gesetz und Prophetie, die Willensfreiheit behandelt worden sind. Indem Saadja mit einer Schärfe, die Maimuni im Moreh wenigstens auf den ersten Blick vermissen läßt, die Lehre vom Gesetz (3. Traktat: Von Gebot und Verbot) der Lehre von der Vorsehung vorausschickt, gibt er den ursprünglichen Grund für die späte Behandlung der Vorsehungslehre zu erkennen, der auch noch für Maimuni von Bedeutung ist: Vorsehung meint Gerechtigkeit der Belohnung und der Bestrafung, setzt eben damit ein Gesetz voraus, dessen Erfüllung belohnt und dessen Übertretung bestraft wird14. Da nun aber die Lehre vom Gesetz die Lehre von der Prophetie voraussetzt, diese wiederum die Lehre von den Engeln (separaten Intelligenzen), diese endlich die Lehre von Gott15, so ergibt sich die Notwendigkeit, der Maimuni insbesondere auch im Moreh Rechnung getragen hat, 13 Damit soll nicht bestritten werden, daß diese Ansicht auch innerhalb der islamisch-jüdischen Philosophie begegnet. Ich verweise auf Ibn Sinäs große Metaphysik und sein Compendium der Metaphysik, auf Ibn Ruschds Compendium der Metaphysik, auf Lewi b. Gerschoms Milchamoth ha-schem und auf Crescas’ Or ha-schem. Albo folgt der älteren, durch Saadja und Maimuni vertretenen Tradition, wenngleich ihm der Leitgedanke dieser Tradition unverständlich geworden ist (s. Iqq. III Anfang). 14.Vgl. Moreh III 17 (34b—35a) mit dem 11. ״Glaubensartikel“ im Mischnah-Kommentar (Sanhedrin X). 15 Moreh IE 45 (98 b—99 a). Monatsschrift, 81. Jahrgang 7

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