Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Ort der Vorsehungslehre nach der Ansicht Maimunis
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Ort d. Vorsehungslehre nach d. Ansicht Maiimunis 95 im Sinne seiner exoterischen Lehre7 einer theologia revelata zuzuweisen hätte (namentlich die Lehre von der Schöpfung der Welt). Die Einteilung der Gegenstände des Moreh in metaphysische und nicht«metaphysische folgt also keineswegs der Unterscheidung zwischen natürlicher und offen« harter Theologie5. Daher ist der Ausschluß der Vorsehungslehre aus dem Bereich der Metaphysik nicht identisch mit einer Zuweisung dieser Lehre an eine theologia revelata. — 2. Dem ersten Hauptteil des Moreh ist an geeigneter Stelle die Physik eingefügt. Die physikalische Erörterung wird durch die thematische Interpretation des ma'aseh bereschith (des Schöpfungs« berichts) in ähnlicher Weise abgeschlossen6, wie später die umgreifende meta« physische Erörterung durch die thematische Interpretation des ma'aseh merkabah abgeschlossen wird. Demnach gehören die Gegenstände des zweiten, nicht«metaphysischen Hauptteils des Moreh ebenso wenig zur Physik wie zur Metaphysik. Physik und Metaphysik machen gemeinsam mit der Mathematik das Ganze der theoretischen Philosophie aus7. Da die Gegenstände des nichtHmetaphysischen Hauptteils offensichtlich nicht mathematischen Charakters sind, so bringt Maimuni, indem er diese Gegen« stände erst nach dem förmlichen Abschluß sowohl der Physik als auch der Metaphysik behandelt, die Ansicht zum Ausdruck, daß dieselben aus dem Bereich der theoretischen Philosophie überhaupt auszuschließen seien. — 3. Maimuni handelt bereits innerhalb des theoretischen Hauptteils des Moreh (vor allem in II 10) von der Vorsehung8 9. Die in diesem Zusammenhang vor« kommende Erörterung betrifft freilich allein die allgemeine Vorsehung, d. h. die verständige und kunstvolle Leitung des Weltganzen. Also nur die Frage der besonderen Vorsehung wird von Maimuni der theoretischen Philosophie entzogen0. Entsprechend handelt Maimuni bereits innerhalb des theore« 6 In H 30. Vgl. II 29 (65 b) und Anm. 3. 7 Maimuni, Milloth ha«higgajon, c. 14. 8 Von den zahlreichen gelegentlichen Erwähnungen der Vorsehung sehe ich hierbei natürlich ab. 9 Maimuni bezeichnet die Vorsehung, von der er im ersten Hauptteil des Moreh spricht, als הנהגה) תדביר), die Vorsehung, von der er im zweiten Hauptteil spricht, als השגחה) ענאיה); vgl. besonders die Angabe des jeweiligen Themas in II 10 Anfang einerseits, in III 16 Ende und 17 Anfang anderer« seits. Wenngleich diese terminologische Unterscheidung von ihm keines« wegs pedantisch festgehalten wird — er verwendet die beiden Ausdrücke meistens synonym —, so fällt doch auf, daß er in den einschlägigen Kapiteln des ersten Hauptteils (I 72 und II 4—11) vorzüglich von תדביר spricht, wäh« rend in den einschlägigen Kapiteln des zweiten Hauptteils (III 16—24) vor« zuglich von עבאיה die Rede ist. Es sei ferner auf I 35 (42 a) verwiesen, wo es heißt: י ופי צפה תדבירה ללעאלם וכיף ענאיתה במא סואה Die Herkunft dieser Unter« Scheidung bedarf der Untersuchung. Einen Fingerzeig liefert vielleicht Munk, Guide, III, 111, n. 2, wozu man vergleiche: Julius Guttmann, Das Problem der Willensfreiheit ..Jewish Studies in Memory of George A.