Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Geschichte von Rabbi Meir und Beruria in arabischer Fassung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
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84 Moses Goldmann sprach: ja. Da sprach der Prophet: Gott segne sie. Sie gebar einen Knaben, und Abu Talha sprach zu mir: hüte ihn, bis du ihn zum Propheten bringst . . . Weiteren Bericht siehe obige Version. Vergleich der beiden Überlieferungen. Beide Überlieferungen haben gemeinsam: 1. daß sie vermittels des Gleichnisses vom Pfände zur Ergebung in Gottes Fügungen anleiten wollen; 2. daß eine Mutter ihren Schmerz bezwingt, um ihrem Gatten nicht zu ungelegener Stunde eine Trauernachricht zu bringen. יר י י > . Ein Unterschied besteht zunächst darin, daß die jüdische Sage einen Grund für den Tod der beiden jungen Menschen sucht, während die islamische eines solchen anscheinend gar nicht bedarf, um Ergebenheit in Gott zu fordern. Wesentlieber ist die Verschiedenheit der Motive für den Aufschub der Nachricht. Die jüdische Frau will die Gehobenheit der Sabbat- Stimmung nicht trüben, die islamische den Mann nicht sofort bei seiner Heimkehr von einer beschwerlichen Reise der Aufregung einer Trauerbotschaft aussetzen und ihm namentlich auch ihren Umgang nicht versagen, obwohl sie anscheinend in allen Versionen die leibliche Mutter des Verstorbenen ist. In dieser Selbstüberwindung zur Erfüllung ihrer Pflicht als Gattin besteht das Verdienst, das offenbar durch die Empfängnis eines anderen, berühmteren Sohnes belohnt wird. Welche Überlieferung ist die ältere? Durch rein chronologische Erwägungen ist die Frage nicht zu entscheiden. Ibn Saad lebte im 8. Jahrhundert; die Geschichte vom Tode des Sohnes des Abu Talba könnte älter sein; mit Einwirkungen des Islam auf Midrasch Mischle ist nach Bacher und namentlieh nach Zunz, der seine Abfassung ins 11. Jahrhundert setzt, zu rechnen5. Aber für die Priorität der jüdischen Sagen spricht, daß das Gleichnis vom Depositum ein bereits im Altertum häufig wiederkehrendes Motiv ist; es ist insbesondere in der Stoa zu Hause und auch dem antiken Judentum nicht 5 Heller, EJ I 1020 f. m|it Literaturang־aben.