Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Chadhir und der Prophet Elijahu als wundertätige Baumeister
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 3)
- Language
- German
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78 Bernhard Heller fordert Beschäftigung. Steine, welche sechs Scharen von Männern in einem vollen Tag nicht hätten befördern können, trägt er in einer Stunde an ihren Bestimmungsort. Wieder will der Herr seinen ungewöhnlichen Sklaven schonen, wieder will Chadhir beschäftigt sein. Sein Herr verreist, in seiner Abwesenheit baut ihm Chadhir einen Wunderpalast. Der erstaunte Herr fragt ihn, wer er sei. Chadhir antwortet: ״Dein Sklave.“ Da beschwört er ihn: ״um Allahs willen, wer bist du?“ Chadhir ist derart gezwungen, sich zu erkennen zu geben. Sein Käufer will Chadhir zum Herrn über sein Besitztum machen. Doch Chadhir will sich dem Dienste Allahs weihen. Da bekehrt sich auch sein Herr, bis dahin ein Ungläubiger, zum Islam, beschenkt Chadhir mit 400 Dirhem und läßt ihn frei5. III. Die Motive. Diese Erzählung von Chadhir oder von Elijahu gibt sich als Märchen kund mit zwei Grundmotiven: 1. Ein freier, vornehmer Mensch läßt sich mit Selbstaufopferung als Sklaven verkaufen, um mit dem Kaufpreis einem Dürftigen aus der Not zu helfen. 2. Ein Wundertäter führt in kürzester Zeit, gewohnlich über Nacht, einen Prachtbau auf. Für das Motiv vom Freien, der sich als Sklave verkaufen läßt, wird ein bedeutsames Beispiel geboten in der Überlieferang von Hätim, dem Tajjiten, dem durch Edelmut und Freigiebigkeit hochberühmten altarabischen Helden. Der arabische Antar-Roman flicht einen Sagenkranz um sein würdiges Haupt. Unter anderem erzählt er Folgendes: Einst kamen zu Hätim Tajj und seiner Mutter unerwartete Gäste. Sie freuten sich mit ihnen, doch hatten sie nichts ihnen vorzusetzen. Da bietet sich die Mutter an, Hätim solle sie verkaufen und mit dem Erlös die Gäste bewirten. Hätim schwört, daß nicht er die Mutter, sondern die Mutter ihn verkaufen müsse. Die Mutter beugt sich vor der Notwendigkeit, führt ihren Sohn an einen Ort, wo man beide nicht kennt, verkauft ihren Hätim um zwei Kamele, deren eines den Gästen zur Mahlzeit dient. 5 Tha'labi, Qi<pa<p ahanbiai, am Schluß des Abschnitts über Chadhir,, ed. Kairo 1325, S. 144 f.