Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Äthiopier und Juden in der antiken Literatur
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
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Aethiopier ־und Jndfen an der antiken Literatur 69 andere berühmte Wandersagen unter dem Einfluß der geschichtlichen Entwicklung italisiert und zuletzt romanisiert, nachdem sie vorher — vagantibus Graeciae fabulis14 — im östlichen Teil der antiken Welt lokalisiert worden waren. Der pseudomythologische Charakter dieser Legende zeigt sich auch in der Verwendung des Idäernamens15. DieTSaToi, auch T8aün AofomAoi genannt, waren eingeborene Kreter, die ihren Namen vom Gebirge Ida erhalten hatten. Sie waren der ältesten Sage nach Gehilfen der Gemahlin des Kronos, der Erdmutter Rhea, die ihnen das eben geborene Zeuskind zum Schutz vor dem Vater übergab. Denn Kronos, dem das Orakel ge weissagt hatte, daß einer seiner Nachkommen ihn vom Throne stoßen werde, vertilgte seine Sprößlinge gleich nach der Geburt. Den Idäern gelang es jedoch Zeus in der nach ihnen benannten Grotte zu verbergen. Sie zogen ihn dort heimlich groß, bis er sich gegen den Vater empörte. Die Idäer erscheinen in dieser berühmten Sage neben den Kureten, mit denen sie auch identifiziert werden16, als Begleiter des Zeus und Mitstreiter um den Thron. In der taciteischen Fassung stehen sie jedoch auf Seiten des Kronos und sind damit gewissermaßen zu Gegenspielern der Kureten geworden. Die Aufteilung der beiden mythischen Volksnamen auf die beiden Parteien, die sonst nicht bezeugt ist, erweist noch einmal die Künstlichkeit dieser mythographischen Konstruktion. Das Ergebnis dieser Untersuchung scheint einigermaßen paradox zu sein. Denn wenn es zutrifft, daß die nach Aethiopien geflohenen Idäer mit den späteren 6JudäeriT identisch sind, so bleibt unerklärt, wie sie von dort nach dem fernen Judäa gelangten. Auf diese Frage antwortet die Sage, die Tacitus, ohne ihren Zusammenhang zu ahnen, in der Reihe der jüdischen Gründungslegenden an dritter Stelle anführt. Hier heißt es: ״Andere halten die Juden für Abkömmlinge der Aethiopier, die unter der Herrschaft des Königs Kepheus Furcht und Haß dazu zwangen ihre Wohnsitze zu ändern“17. 14 Plinius hist. nat. V § 31. 15 Zum folgenden vgl. RE s. v. Ida. 16 Pausanias V 7, 6. 17 Plerique Aethiopum prolem7 quos rege Cepheo metus atque odium mutare sedes: perpulerit.