Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Menschensohn
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830025-2850410--54448-2850478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der ״Menschen sohn" 23 Isais, den Zweig ans dessen Wurzeln, auf dem der Geist des Ewigen ruhen wird, als das Kind, das uns geboren, anf dessen Schultern die Fürstenschaft sein, den man nennen wird Fürsten des Friedens, als den Sohn, den sein Yater heißen wird: Mit uns ist Gott, als den gerechten Sproß, der auf Erden Recht und Wahrhaftigkeit tun wird, als den einen Hirten, der sie weiden, der ihnen ein Hirt sein wird16. Schon von dem Manne einer Zukunft, die im Wege dieser Welt lag, konnte nur in Gleichnissen erzählt werden. Um wieviel mehr war es so, als nun von dem gesprochen werden sollte, der dem Jenseits, dem Überweltlichen zugehörte, der als der Genius des Volkes, als der messianische Befreier die ganze Fülle der Bedeutung in sich schloß. Kein einzelnes Wort, keine einzelne Bezeichnung konnte ihn benennen, ihn konnte nur das Bild auf zeigen: mit den Wolken des Himmels war einer wie ein Menschensohn gekommen und vor Gott hingetreten. Nur dieses Bild, vollständig oder gekürzt, als Anführung oder als Erinnerung aus dem Danielbuch, hat fortan von ihm gesprochen. Der Satz, in dem sich dieses Bild darbot, trat in die griechische Welt, in die griechische Sprache der Kirche. Hier aber sprach aus den Worten ״Sohn eines Menschen66 nicht wie im Hebräischen ein Wortgebilde, um einfach einen Menschen zu bezeichnen, sondern hier waren es zwei Worte, und sie meinten: ein Sohn eines Menschen. Und was die zwei griechischen Worte so aussagten, das gewann im Werden der Kirche sehr bald eine Bedeutung, an der sich die Meinungen und schließlich die Überzeugungen schieden. Die Predigt des neuen Glaubens hatte die beiden Gedanken, die im jüdischen Volk lebten, den prophetischen vom Sohne Davids und den apokalyptischen von dem überweltlichen Wesen, zu der Lehre vom himmlischen und menschlichen Ursprung des Messias, von dem als Menschenkind geborenen Sohne Gottes verbunden. Aber wider den als Menschen Geborenen, den Sohn eines Menschen erhob sich nun radikaler, gnostischer und marcionitisdier, Widerspruch. Gegen ihn hat die Kirche sich wenden müssen. Wie sie gegenüber dem Judentum die Gottessohnschaft betont hatte, so hat sie jetzt der Gnosis gegenüber 16 Jes 11! ff.; 95 f.; 714 f.; Jer 23״; Ez 34:23.