Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Menschensohn
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Der ,,Menschen sohn 21 präexistente, der ideale geworden, der, welcher von jeher bei Gott ist13. Damit trat er aber so nahe an eine andere Gestalt, an eine andere Idee heran, daß sie beide ineinander übergehen konnten, ineinander übergehen mußten. Auch das Volk Israel hat, wie der Messias, seine Präexistenz, seine Zugehörigkeit zum überweltlichen Reiche. Und in dieser höheren Welt haben Messias und Volk doch eigentlich keinen gesonderten Inhalt, keine getrennte Bedeutung mehr. Was sind sie beide hier anders als der Genius Israels, das ideale Israel? Die Grenze, die zwei verschiedene Worte bezeichnen wollten, schwindet im Ideellen; im jüdischen Denken und Dichten sind sie denn auch beide oft zu einem geworden. Wie dies geschehen konnte, zeigt schon das siebente Kapitel des Danielbuches. Ist der, welcher ״wie ein Menschensohn ist und mit den Wolken des Himmels kommt und vor den Ewigen hintreten darf“, der Messias oder das Volk Israel, ״das Volk der Heiligen des Höchsten“? Wenn hier von dem, der ״mit den Wolken des Himmels gekommen war“, gesagt wird mit Worten, die den alten Verkündigungen vom Messias entsprechen: ״Ihm gab man Herrschaft und Würde und Reich, und alle Völker, Nationen und Zungen dienen ihm, seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht weicht, und sein Reich wird nicht zerstört werden“ und wenn danach hier dasselbe vom Volke Israel gesagt ist: ״Das Reich und die Macht und die Herrschaft der Reiche unter dem Himmel wird dem Volke der Heiligen des Höchsten gegeben, sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Herrscher werden ihm dienen und gehorchen“, sind dann nicht die Linien und Züge beider schon zusammengeflossen? Das ideale Israel oder, mit Daniels Sprache, der ״ssar“, der Archont, der Aeon Israels ist zum Messias geworden und der Messias zu dem idealen Israel. Fast noch deutlicher sehen wir es im Buche Henoch. Es ist hier von dem ״Gesalbten“ gesprochen, und er ist oft ״der Auserwählte“ genannt, und dieses selbe Wort wird ebenso oft dem Volke Israel 13 Ber. r. I, 4 ed. Theodor S. 6; XIVr 6 ed. Theodor S. 130 sowie die zahlreichen von Strack״Billerbeck, Kommentar zum Neuen Testament III, 700 ff. angeführten Stellen. Vergl. MGWJ 1925, S. 262 ff,