Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 1
Article
Der Menschensohn
Date
1937-01-01
Page
Seite 20 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2830023-2830025-2850410--54445-2850475
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

20 Leo Baeck aus seinem Willen, an der Zukunft die Vergangenheit wiederzufinden12. Es ist schwer zu sagen, wie weit die Anfänge der apokalyptischen Vorstellung, dieser Steigerung der messianischen Idee ins Überweltliche, zurückzuführen sind. Zu beachten ist jedenfalls, daß dieser Gegensatz von Oben und Unten charakteristisch ist für die alexandrinisch-griediische Offenbarungs- Philosophie, und daß die Danielschrift, in der ihn das palästinensisch-jüdische Denken zum ersten Male aufweist, verfaßt worden ist, nachdem Palästina mehr als ein Jahrhundert in dem Macht- und Kulturbereich Ägyptens gestanden hatte. Aber ob es so gewesen ist, daß der Anschauungswechsel sich schon innerhalb des Judentums vollzogen hatte und durch ihn das jüdische Denken dann für die alexandrinische Offenbarungsphilosophie empfänglich wurde, oder so, daß umgekehrt ihr Einfluß erst den Wandel ermöglicht hat, läßt sich kaum beantworten. Doch wie immer es sei, dieser Wandel hat auf das jüdische Denken weithin eingewirkt; die Vor- Stellung von der ״kommenden Welt“ ist seither eine bestimmende. Allem, was einen entscheidenden Wert besitzt, ist nun sein erster und sein bleibender Bereich jenseits des Irdischen zugewiesen. Die Heilige Schrift und das Heiligtum, das Volk Israel, seine Stammväter und sein Messias, sie gehören nun mit ihrem Anfang und ihrer Dauer dem Überweltlichen, dem Reiche des Idealen zu. Sie sind damit, wie jede Idee, ursprünglich, vor der gewordenen Welt von Gott geschaffen. Die Präexistenz wird ihnen ausdrücklich, bald poetisch bald begrifflich, zuerkannt. Auch der Messias ist so der von Beginn an Seiende. Wenn auch dem alten messianischen Glauben ein Ziel darin gewahrt bleibt, daß er, der Ursprüngliche, in einen werdenden Tag als Davids Sproß eintreten soll, wenn auch die besondere Lehre von dem ideellen Vorher sein des Messias, seinem Vorhersein im ״Gedanken Gottes“, und von seinem verborgenen, einst zu offenbarenden Namen noch dem Geschichtlichen einen Raum läßt, der Messias ist doch jetzt der!2 Vergi. Ps. Salomos 17, Philo de praemiis et poenis 16. Vergl. L. Baecky Messias in RGG2.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.