Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Menschensohn
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der ״Menschensohn‘ 19 auch, aus der polemischen Richtung in Abbahus Satz hervorgeht5 zu seiner neuen Geltung nur im Bereiche der Kirche gelangt sein. Der lange Weg dahin liegt deutlich vor dem Blick. Er geht wieder vom Buche Daniel aus. Die große religionsgeschichtliche Bedeutung kommt diesem vor allem daher zu, daß uns hier eine wesentliche Wandlung des messianischen Gedankens entgegentritt. Während er im prophetischen Denken und Suchen sich in einer Spannung zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen dem Daseienden, jetzt noch Bestehenden und dem Werdenden, Einstigen darsteiite, spricht er sich hier in einer Gegensetzung von Hienieden und Droben, von Diesseits und Jenseits aus. Das ״Kommende‘4 ist hier nicht mehr ein Tag, zu dem die Hoffnung hinzieht — jamim baim —, sondern eine Welt, die sich der Vision auf tut — olam habba —. Ist dort der Erwartete, nach dem die Sehnsucht ausschaut, ein Sproß aus dem Hause Davids, der die Geschichte erfüllen wird, so ist er hier das überirdische Wesen, das von himmlischen Höhen her die Geschichte beendet. Ist die Linie der Sehnsucht dort, im Prophetischen, die horizontale, so ist sie hier, und das macht das Apokalyptische aus, die vertikale. Und das Eigentümliche ist danach auch, daß in der weiteren Entwicklung jene von dieser in der Seele des Volkes doch nicht verdrängt noch abgelöst worden ist. Beide behalten sie, bisweilen miteinander kämpfend, ihren Platz und ihre Richtung: der Sohn Davids und der Menschenartige auf den Himmelswolken. Auch im Neuen Testament sehen wir es, wie sie neben und gegen einander gestellt sind. Wenn das Apokalyptische immer der Ungeduld, die nicht erwarten, sondern erleben wollte, und auch ihrem Begehren nach dem Wunder entgegenkam, so zog das Prophetisch-Messianische dafür seine stetige Kraft aus dem geschichtlichen Bewußtsein des Volkes, des R. Jehuda, Mitte des II. Jahrh., Pesikta R. Kak. 190b r= Schebuot 39b: ״wenn man einen — bar nasch — schwören läßt“, schließlich die anonyme haggadische Erklärung Wajikra rabba zu 12r ben adam bedeute: Sohn von Gerechten und Frommen. 2*