Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Vom Sein und Sinn Gottes
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 9)
- Language
- German
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Vom Sein und Sinn Gottes 11 beziehen, und es ist bezeichnend, daß hier so wenig wie oben von dem geschauten Antlitz Gottes die Rede ist. Der Gesichtssinn ergreift den Gegenstand selbst, sein Wesen; und dieses spricht sich unmittelbar bei einer Person in ihrem Angesicht aus. Davor weicht Jeschajahus Schilderung diskret zurück. Aber er hört die Stimme des Herrn reden. Die durch das Ohr vermittelte geistige Wahrnehmung steht ihm frei. Das Hören ist das Organ des Offenbarungsempfangs. Aber die Stimme Gottes verkündet ihm nichts von dem, was über diesen Gott, über sein Inneres Aufschluß geben könnte. Sie weist ihn vielmehr durch die Botschaft, die er vermittels ihrer erhält, in die irdische Welt zurück, in der er dem Volke den göttlichen Auftrag künden soll. Deutlicher fast noch tritt diese Gliederung in Jecheskels Maaße merkaba hervor. ״Es öffneten sich die Himmel, und ich sah Gesichte Gottes (göttliche Gesichte)“ (Jech 1ג). Die Hand des Ewigen, die über ihn kommt (V. 3), öffnet ihm erst den Zugang zu seiner Schau. Gestaltungsstarke Phantasie läßt ihn die wunderbaren Lebewesen des göttlichen Thronwagens ausmalen. Aber sie ist gezügelt, sie läßt sich nicht dazu verleiten, da von dem göttlichen Thron und der auf ihm sitzenden göttlichen Gestalt die Rede ist (V. 26—28), anders als in Worten zu sprechen, die von dem Propheten bewußt nur als Analogien empfunden werden können. Die Häufung von distanzierenden Ausdrücken als ״gleichwie“, ״Erscheinung“, ״Gestalt“ will ersichtlich den Leser oder Hörer der Visions- Schilderung davon zurüdchalten, die göttliche Wirklichkeit mit diesen Worten beschrieben zu finden. Er weiß nur zu erzählen über ״das Aussehen von dem, was der Herrlichkeit des Ewigen glich; und ich sah es und fiel nieder auf mein Antlitz und hörte die Stimme eines Redenden“. Jizchak Abarvanel protestiert in seiner Kritik von Maimunis Deutung der Merkaba des Jecheskel, daß der More Nebuchim hierin die aristotelische Metaphysik ausgedrückt findet (M. N. Wilna 1904, III, S. 71, Sp. 1). Nach dem Vorgang andrer macht er im ersten Gegenargument darauf aufmerksam, daß die Haitung geheimnisvoll esoterischer Forschung, die seit alters das Grübeln über Maaße merkaba umflutet, sich unmöglich auf