Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Vom Sein und Sinn Gottes
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830025-2850409--54433-2850465- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
10 Max Wiener nennung das Geheimnis nicht nur nicht gelüftet, sondern gerade umgekehrt mit tiefstem Mysterium umgeben; und die Spekulation, die sich um das Tetragrammaton später entspann, hat am Charakter des Geheimnisses immer festgehalten. Dieser Gott hütet peinlich streng sein Dunkel; und die Schau auf ihn hin, die Erkenntnis seines Wesens, — dieser Gedanke schwingt immer mit — geht über menschliche Kraft. Und doch will er denen, die er seiner Offenbarung würdigt, als vertraut erscheinen, wenn und soweit es sich darum handelt, daß sie sich seinem Walten anheimgeben sollen. Doch seinen Willen tun, das geht weit über Moral und Gesetzeserfüllung hinaus und schließt immer das demütige Beben vor dem Unnennbaren ein. Jeschajahus Berufungsvision ist in ihren Bestandsstücken wesentlich von der Mosches unterschieden, bestätigt aber in ihrer Tendenz unsre Ansicht. Wohl sagt er von sich, daß er den Herrn gesehen, sitzend auf hohem und erhabenem Throne. Aber nicht mit einem einzigen Wort wagt er zu erwähnen, welche Züge das Bild dessen, dessen Königsmantel den Palast erfüllt, getragen habe. Es wird kein Zufall sein, daß der Prophet nur sozusagen von dem letzten Peripherischen, welches zur göttlichen Gestalt gehört, etwas aussagt, nämlich von den Schleppen seines Gewandes. Sein eigener Blick — so dürfen wir wohl annehmen — zog sich blitzschnell von der eigentlichen Gestalt zurück, senkte sich zu Boden, um den Heiligen nicht zu profomieren. Er weiß mancherlei von der göttlichen Umgebung, den Serafim, zu erzählen. Drei Flügelpaare hat jeder Seraf. Yon diesen braucht er eins, um im himmlischen Palast zu schweben. Yon den beiden anderen interessiert vor allem das, mit dem er sein Gesicht bedeckt. Das soll offenbar bedeuten, daß selbst die himmlischen Heerscharen, die stets der Nähe Gottes gewürdigt sind, den Herrn selber nicht schauen dürfen, um wieviel weniger ein sterblieber Mensch, dem nur in wenigen höchsten Augenblicken seines Lebens sich ein flüchtiger Blick in den göttlichen Thronsaal öffnet. Denn wenn auch Yers 5 erklärt ״denn den König, den Ewigen der Heere, sahen meine Augen“, so darf man das sehr wohl mit dem Blick des Propheten auf die ganze Gestalt