Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Vom Sein und Sinn Gottes
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 10)
- Language
- German
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12 Leo Baeck die Befassung mit solchen metaphysischen Fragen erstrecken könne. Denn die Spekulation über die Konstruktion der Welt und ihre Elemente sei ja unter den Philosophen als nichts weniger denn als Mysterium betrachtet worden. Er hat Recht. Die Bilderschau des Propheten aus dem Dunkel ihrer Natur ans Tageslicht wohl schwieriger, aber der Vernunft grundsätzlich zugänglicher Erkenntnis ziehen, seine Gesichte und Worte als Symbole und Andeutungen spekulativer Weisheiten nehmen, hieße den eigentlichen Sinn prophetischer Offenbarung zerstören. Gerade Jecheskels Phantastik will um den unerfaßbar bleibenden Gott gleichsam einen breiten Gürtel des Dunkels legen; und so stellen sich seiner Schau jene wunderbaren himmlischen Wesen, die hoch über dem Mensehen, aber unendlich tief unter dem Göttlichen selbst stehen. Doch auch er bleibt Sendungsprophet, der dem Menschen kündet, was gut ist. Wo der Sterbliche unmittelbar das Göttliehe zu berühren scheint, wird er stumm und blind. Aber fruchtbar sind ihm diese Stummheit und Blindheit; denn sie lehren ihn, Gott für den Weg des Menschen mit dem eigenen höchsten Gedanken, dem sittlichen, zu deuten. Gott ist nicht zu sehen, wohl aber zu hören. Der ״Mensdiensolm“. Von Leo Baeck. Die Frage, welche Bedeutung dem Worte ״Menschensohn66, ״Ben adam“, ״Bar enasch66 zukomme, beschäftigt die Religionsgeschickte seit langem.. Zwischen dem, was das Wort ursprünglich, in dieser seiner hebräischen bezw. aramäischen Form, und dem, was es dann im griechischen Evangelium bezeichnet, ist ein kaum zu überbrückender Gegensatz. Denn der oft unternommene Versuch, eine Verbindung zwischen beiden durch einen neuen Sinn herzustellen, den unser Wort im Henoch- und im IV. Esra-Buche habe, kann einer Prüfung nicht standhalten. Ebensowenig kann es danach als dargetan gelten, so gern es bisweilen angenommen wurde, daß Sprache und Lehre des Judentums im Jahrhundert vor der Zerstörung