Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Vom Sein und Sinn Gottes
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 6)
- Language
- German
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8 Max Wiener Rang verleiht. Und sofern das das Gnte ist, besteht eine primäre Beziehung zwischen Religion und Sittlichkeit, ist Güte das Grundsymbol des Göttlichen. Die Art, wie der Mensch Gott erfährt, von seiner Offenbarung erfüllt wird, stellt sich in der Heiligen Schrift wie überhaupt im jüdischen Geist niemals so dar, als ob gleichsam auf die leere Tafel seiner Seele wunderbare Schrift- Zeichen sich einprägten und er für die Lesung dieser noch überdies einen Zauberschlüssel erhielte. Vielmehr ist es immer so gemeint, daß eine bestimmte Aufnahmebereitschaft, eine Kraft zur Deutung in der Seele wirksam ist. Gott ist der Überfülle seines Wesens nach zu groß, um erkannt werden zu können. Aber wenn er den Menschen packt, wenn er dem Propheten sein Wort aufzwingt, ihn zur Botschaft an das Volk nötigt, so lebt doch in dem menschlichen Werkzeug der göttlichen Sendung eine deutliche Vorstellung von dem Sinn dessen, was Gott von ihm und den zu Leitenden mit seiner Mitteilung will. Die biblisch-prophetischen Offenbarungen, wie sie sich zumal in den Berufungsvorgängen abspielen, weisen zumeist auf einen dunklen, rätselhaften Gott hin. Er verliert auch da, wo er sich als der Gott der Väter bekannt gibt, nichts vom Charakter dieser Unheimlichkeit. Das Wolkendunkel, mit dem er sich umhüllt, die Unschaubarkeit seines Antlitzes, seine Unnahbarkeit, die auch die erlesensten seiner Knechte fühlen und fürchten, die Gefahrenzone, von der er umgeben ist, die Tempel und heiliges Kultgerät in sich einbezieht, sie machen den tiefsten Eindruck auf die sich ihm weihenden Menschen. Die religionsgeschichtliche Genesis dieser Tatsachen mag hier auf sich beruhen. Aber es ist sicher, daß sie in allen Stufen dieses Religionslebens, in der Prophetie wie in der entfalteten theologischen Reflexion, immer wiederkehren. Die Weihe und Feierlichkeit, welche die Darlegungen der Attributenlehrer, zumal Maimunis, über das aller Erkennbarkeit sich entziehende göttliche Wesen umschweben, erscheinen wie ein Fortweben jener Stimmung, in der der Prophet von dem ihm dunkel bleibenden Gott erleuchtet wird. Und in dem einen wie in dem andern Fall naht sich wieder Gott dem Verständnis der Menschen, indem sie ihn als den