Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Vom Sein und Sinn Gottes
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German
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Vom Sein und Sinn Gottes 7 müssen in ihm sein, sofern er Gott ist, sofern er uns Gott bedeuten kann. Aber dieses Nichtwissen über das Wie seiner Vollkommenheit besagt etwas anderes als die Unvertrautheit mit dem Wie seines Seins. Hier im Wertgebiet sind unserm Blick Richtpunkte gegeben, durch welche Linien, ins Unendliche verlängert, ins Göttliche einmünden müssen. Denn es kann ja nicht anders als vollkommen sein. Indem wir nun i n u n s dem Sittlichen den höchsten Rang verleihen, ihm alles andere unterordnend, vermögen wir den Kern der göttlichen Vollkommenheit nur von hier aus zu deuten. Was immer göttliches Sein an sich sein mag, es muß eine solche Ordnung in sich tragen, daß das Sittliche von keinem andern göttlichen Interesse — wenn man so sagen darf — überhöht wird. Religion fällt so wenig mit Ethik oder praktisdier Lebenslehre zusammen wie göttliche Vollkommenheit mit sittlicher Erhabenheit. Auch der Gott, der unser Gott nur ist, weil unser Wertgefühl in seiner Vollkommenheit unendlich Uberlegenes und doch Verwandtes annehmen muß, bleibt der in seinem Sein und Schalten uns dunkle, unerkennbare. Seine Wege sind nicht unsre Wege, seine Gedanken nicht unsre Gedanken. Denn so sehr es für den Menschen notwendig ist, zu jenem Kern in der göttlichen Vollkommenheit vorzustoßen, so gewiß ist es, daß er damit nur auf sich hin und von sich aus deutet, was wesensmäßig unauffindbar bleibt, grundsätzlich nicht zu erkennen und doch seiend. Würde das Göttliche nicht kraft ursprünglicher religiöser Einsicht im Felde des Wertseins stehen und darum eine uns verständliche Sprache reden, dann bliebe es für uns gänzlich stumm. Würde der Mensch nicht von sich aus Ziele des Strebens und Normen des Urteils bilden und eine Stufe eindeutig als die höchste erfahren, so könnte ihm die Offenbarung seines Gottes nie etwas bedeuten. Dem menschlichen Wertbewußtsein sind die Zeichen entnommen, mit denen das Göttliche als gebietendes Wort erfaßt und buchstabiert wird. Von Gottes sittlichem Charakter kann man nur sprechen, sofern man damit meint, daß der Mensch die göttliche Vollkommenheit durch das bezeichnet, vertreten sieht, dem er in der eigenen Sphäre den höchsten