Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Vom Sein und Sinn Gottes
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Vom Sein und Sinn Gottes 5 Zeugnis des religiösen Bewußtseins die Grundaussage über das Göttliche: es ist vollkommenes Sein schlechthin. Die Gott beigelegte Unendlichkeit bedeutet seine unendliche Überlegenheit über das menschlich Welthafte an Würde und Wert. Sie ist das Siegel seiner Heiligkeit. Sie verleiht erst jene Kraft, die das unheimlich Gefährliche der Fremdheit, des Undurchdringlichen bändigt und das verehrungswürdig Göttliche bewirkt. Durch sie wird der unendlich Ferne, Unbegreifliche zum Ziel unwiderstehlicher liebender Sehnsucht. Erst innerhalb dieses Gebietes, im Bezirk des Werthaften, ersteht die Möglichkeit, das Göttliche zu deuten, den Gott, der in seinem Sein und Wesen außerhalb der Grenzen der Begreifbarkeit bleibt, von ״dessen Wesen es keine Erkenntnis“ gibt, zu einem Gott für die Menschen zu machen. Denn was Inbegriff aller Vollkommenheit ist, auf das muß ebenso menschliches Streben nach Vollkommenheit abgestimmt sein, wie die echte Erhabenheit des wahren Gottes sich zum suchenden Menschen herablassen muß. Innerhalb der Seins- und Wesensebene führt keine Brücke vom Menschen zu Gott; denn, auf den Pfeilern erkenntnisbedingender Kategorien ruhend, würde sie den Unvergleich liehen der Welt nivellieren, ihn zum Dinge der Welt und zum Gegenstand uns prinzipiell vertrauter oder doch erschließbarer Realität machen, d. h. ihn des Charakters seiner Göttlidikeit entkleiden. Im Gebiet des Werthaltens wird er, die unbedingte Vollkommenheit, zum letzten Richtmaß alles Lebens und Urteilens: die höchste Wahrheit, Güte, Schönheit, Kraft. Von hier aus verstehen wir auch, wie der ontologische Beweis, unter logisch-erkenntnismäßigem Aspekt ein Trugschluß, für das religiöse Bewußtsein zwingend ist; freilich nicht als Demonstration der Existenz Gottes, sondern als Selbstbesinnung des Religiösen. Denn für diesen ist mit der Vollkommenheit des Göttlichen notwendig zugleich dessen Selbstrealisierung und somit das Dasein Gottes gesetzt. Der Weiterverfolg dieser Gedanken würde zeigen, wie die auch von den Lehrern der negativen Attribute von Gott nicht ferngehaltenen Funktionen als Schöpfer und Weltregierer, als Handhaber der Vorsehung, als Gesetzgeber und