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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 1
Article
Vom Sein und Sinn Gottes
Date
1937-01-01
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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4 Max Wiener drückt in jedem Fall eckte religiöse Haltung aus. Er ist die begriffliche Formulierung jenes Bewußtseins des Gläubigen, welches Gott, als das in strengster Bedeutung unvergleichliehe Seiende, dem Zugriff jedweder theoretischen Erkenntnis entrückt. Denn wenn alle Erkenntnis durch Begriffe umgreift, verendlicht und bestimmt, so kann die Grundqualität des religiösen Suehens keine Erfüllung finden, die das Göttliche als schlechthin einzigartig über alle vertraute Welthaftigkeit hinausverlegen muß. Gewiß heißt Gottes Unerkennbarkeit nicht, daß sein wirkliches positives Wesen abseits aller für den Menschen geltenden Sinnbedeutung läge; denn der absolut fremde Gott kann uns so wenig sagen und zu uns sprechen, wie auf der andern Seite der philosophische, zur Welt gehörende unsere religiöse Haltung zu berühren vermag. Gemeint ist mit seiner Unerkennbarkeit, daß der grundsätzlich nie zur Ruhe kommenden Sehnsucht nach dem unendlich Erhabenen kein von unserm Geist fixierbares, d. h. erkennbares Sein sich stellen kann. Denn die Lehre von den negativen Attributen bleibt gänzlich unverständlich und im theologischen Sinne sinnlos, wenn man nicht beachtet, wie ihrer Seinstheorie unausscheidbar das Wertdenken eingeschmolzen ist. Das verhält sich so von ihrem neuplatonischen Ursprünge her. Und weil sich in der Plotmisehen Konstruktion Sein und Wert miteinander vermählt haben, konnte sie als charakteristisch-religiöses Denken ihr Schema dem jüdischen Bewußtsein einverleiben. Sonst müßte theologisches Suchen mit seinem ersten Schritt zugleich seinen letzten tun. In der Tat aber enthält die Gewißheit der Offenbarung wie das ihren Gehalt begrifflich formulierende Denken ja niemals bloß das Moment von einem rätselhaften, dunklen, vor dem Erkanntwerden zurückweichenden göttliehen Sein, sondern mit diesem und es wesenhaft qualifizierend, die Idee höchster Wertverwirklichung. Eins weiß sowohl der Prophet, dem die Gottheit eine undurchdringliche, geheimnisvolle Kraft ist, wie der grübelnde Theologe, der vor der Erfassung ihres Wesens zurückweicht: das göttliche Sein ist die Vollkommenheit schlechthin, die Erfüllung höchsten Wertseins. Und hier liegt ja in der Tat gemäß dem Selbst-

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