Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Vom Sein und Sinn Gottes
- Date
- 1937-01-01
- Page
- 3 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom Sein und Sinn Gottes. Von Max Wiener. Der letzte Quellpunkt der religiösen Gewißheit beruht im Glauben an ein der natürlich-erlebbaren Welt überlegenes:, von ihr grundverschiedenes und doch immer wieder in sie hineinwirkendes Seiende. Wir denken da freilich nur an den biblisch״jüdischen Typus und seine Verzweigungen, lassen spezifisch mystische Haltung, pantheistische Gestaltungen und alle Arten ״religiöser Weltanschauungen“ und als Religionsersatz auftretende philosophische Konstruktionen außer Be״ tracht. Die Besinnung auf unser Religionsbewußtsein findet den nicht zu überbrückenden Dualismus von Gott und Welt vor. Wenn wir von Gott sagen, daß er die Welt geschaffen hat, so geht er ebenso wenig in seine Schöpfung ein, wie das Geschaffene, als von Gott ins Leben gerufen, göttlich, wird. Alles Erklären, Ausdrücken, Verstehen und Formulieren entstammt dem Schatz der Kategorien, die grundsätzlich nur für welthafte Orientierung brauchbar sind. Wenn Gott in die dem Menschen vertraute Wirklichkeit hineingreift, zu seiner Kreatur spricht, da taucht das geheimnisvolle, nie aufdeckbare Wunder auf. Jeder Versuch, das Göttliche zu verdeut״ liehen, es zu erklären und zu beschreiben, wie sich ein inner״ halb der Welt Existierendes unserm erkennenden Geiste stellt, heißt, es in den Kreis unsrer natürlichen Welt hineinziehen, mag es als das Absolute, der Weltgrund, der Urbeweger oder wie immer gemeint sein. Jede rationalisierende Verwissenschaftlichung des Göttlichen kommt darauf hinaus, seinen Ursinn aufzuheben, zu vernichten. Der Gott, der dadurch verstehbar wird, daß er in das Gefüge des Kosmos eingeht, sei es auch, um als Ursprung dieses Kosmos zu gelten, wird selber zu einem Stück der Welt, hört auf, der Gott zu sein, den die Religion meint. Wir möchten in diesem Sinn den religiösen Gehalt des Weges der negativen Attribute uns zu eigen machen. Diese Lehre erklärt, daß die Erkenntnis des ״Wesens“ uns unzugänglich ist. Welche logischen und metaphysischen Motive sich vereinigt haben, um. diesen Weg zu bahnen, er 1*