Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 12)
- Language
- German
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Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark 69 hin weist, an seine heutige Stelle ins Schloß übertragen worden ist, wird sich schwer sagen lassen. Jedenfalls kaum vor dem Jahre 1618, denn in diesem Jahr war nach einem Berichte des Abtes Gilger aus Rein die Kapelle noch ganz erhalten, diente aber dann, da der Altar abgebrochen war, als Rumpelkammer. An ihn knüpfen sich manche Sagen. So hörte ich, daß wenn der Stein im Herbst stark schwitzt (eine natürliche Erscheinung bei der Lage des Steines an der feuchten Mauer), dann habe man im kommenden Jahr ein regenreiches, fruchtbares Jahr zu erwarten. יי< י ד, י Vermutlich sind mit den Cilliern, die im Jahre 1363 Wald« stein erworben und stets mit Juden in reger geschäftlicher Ver« bindung gestanden haben40, Juden aus Marburg oder Cilli hieher übergesiedelt. Graf Hermann I. von Cilli mochte den Platz für den Friedhof gewidmet haben. Daß die Siedlung nicht klein gewesen ist, ersehen wir aus dem ziemlich großen Flächeninhalt des Friedhofes. Die anderen Grabsteine sind wohl, wie das so oft geschehen ist, beim Bau des Schlosses verwendet worden; daß der eine Stein aufbewahrt worden ist, liegt vielleicht daran, daß er der älteste war und überdies über dem Grabe eines prominenten Mannes stand, der sich um den Cillier große Verdienste erworben hatte. Der Stein selber ist bereits bei Georg Göth a. O. erwähnt und ungenau übersetzt. Die Übersetzung haben nachgeschrie« ben Janisch, a. a. O., Graz 1885, III 1248 f., s. v. Waldstein und Ambros Gasparitz, Deutsch-Feistritz und Peggau usw., Graz 1890, S. 15, mit dem angefügten Vermerk: ״Der Grabstein eines jüdischen Geistlichen in einer katholischen Schloßkapelle — fürwahr, , eine vielleicht einzig dastehende Merk Würdigkeit\“ Durchaus nicht, denn jüdische Grabsteine wurden gar oft bei lcirchliehen und profanen Bauten verwendet41. Der oben mit einer geradlinigen Verzierung versehene Stein hat in der Mitte eine Länge von 167 cm, eine Breite von 63 cm oben und unten von 58 cm. Die überaus schöne und gefällige 40 Vgl. Rosenberg A., Beiträge z. Gesch. d. Juden in Steiermark, Wien u. Lpz., 1914, S. 46 f. und׳ meine Abhandlung: Jüdische Grabsteine und Ur« künden aus der Steiermark, S. 17 f. 41 Ebenda, S. 7, Anm. 3.