Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2829132-2830015-2830017-2850312--53851-2850384- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
62 D. Herzog sian, gegen Vittelius zum Imperator gewählt haben. Später, un~ gef ähr im Jahre 100 n. d. g. Z., hatte Kaiser Trajan nach dem Dazierkriege, ausgediente Veteranen hier angesiedelt und die Stadt erhielt den Namen Colonia Ulpia Trajana Petoviensis, mit allen Rechten einer Kolonie14. Nach den Römern befehligten hier Ostgoten, Merowinger Oströmer, Langobarden, Slaven und die Bayern, bis Karl d. G. (788) Bayern in den Zentralstaat der Karolinger einordnete. In der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts wurde die Stadt dem Erzbistum Salzburg verliehen, in dessen Besitz die Stadt bis zum Jahr 1565 geblieben, bis dann die Herr״ schaft an den Landesfürsten übergegangen war15. Juden durften nach Pettau aller Wahrscheinlichkeit nach schon mit den Römern eingewandert sein. Unter den Slaven dürften sie bereits in großer Zahl hier gewnhnt haben, wie dies aus slavisierten Namen der dort angesiedelten Juden zu entnehmen ist16. Bedeutend muß die Gemeinde vom 12. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, wo die Juden aus der Steiermark vertrieben worden sind, gewesen sein. Sie besaßen hier eine Synagoge, und auch eine Judengasse wird genannt17• Ihre Hauptbeschäftigung dürfte wie überall in erster Reihe der Geld״ handel, hier aber besonders auch der Weinhandel gewesen sein18. 14 Vgl. J., A.: Janisch, a. a. O., B. H> S. 465 f.; Karl W. Gawalowski, Steiermark, Handu und Reisebuch, Graz 1914, S. 427 f. 15 Vgl. die ausgezeichnete Studie von Univ.-Prof. Dr. Hans Pirchegger: Geschichte Pettaus im Mittelalter,, Pettau 1903, I. Teil׳ (XXXIV. Jahresbericht d. Kaiser Franz Josef ״Gymnasiums in Pettau, vgl. namentlich S. 21) und׳ Geschichte der Stadt und Herrschaft Pettau im Mittelalter, Pettau .1904, II.. Teil. (XXXV. Jahresbericht usw., vgl. da namentlich S. 17 f.) In der Germania Judäica fehlt ein Artikel über unsere Stadt. 18 Vgl. meine: Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark, S. 19, Anm. 1. :i 17 Vgl. weiter unten Urkunde 6. Ruinen der Synagoge waren, wie mir Herr Notar Skrabar mitteilt, noch im Jahre 1827 sichtbar, in der Minoriten״ gasse, wo der Lebzelter Fürst sein rückwärtiges Einfahrtsgebäude hat. 18 Vgl. Rosenberg, a. a. O., S, 31, Anm. 3 u. namentlich S. 90, Änm. 2. Wenn Fr. Popelka in seiner in den v. Hist. Verein für Steiermark hrsg. Blättern für Heimatkunde, Graz 1935, 13, Jahrgv Heft 4 ü. 5, S. 59, erschienenen Arbeit: Der Name Judendorf in den östl. Alpenländern und seine handelsgeschichtliche Bedeutung, auf Grund der Arbeit von Adolf Schaube: Handelsgeschichte der romanischen Völker des Mittelmeer״ gebiet es bis zum Ende der Kreuzzüge, München u. Berlin 1906, S. 93, der