Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Grabsteine in Kärnten
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 3)
- Language
- German
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54 Josef Babad Der Stein stammt also aus dem Jahre 1130 und der Verstorbene dürfte ein Märtyrer aus der Zeit der Kreuzzüge sein. Wie es dazu kam, daß ein ״Parnes“, ein Vorsteher oder gar der יפרנס המדינה von Kärnten in Ungarn getötet wurde, da doch die ungarische Jüdenheit von dem ersten Kreuzzug und dessen Nachwehen so ziemlich verschont geblieben war* 5 6 7 8 oder ob etwa dieses jüdische Oberhaupt von irgend welchen im Zusammen־׳* hang mit den Kreuzzügen auf tretenden Horden als Geisel mitgeschleppt und ermordet worden war, ist leider aus dem Text der Inschrift nicht eindeutig zu ersehen. Vielleicht haben die Kärntner Juden seine Leiche9 gegen hohes Lösegeld befreit10 und zur Bestattung in seine Heimatgemeinde überführt. Jedenfalls scheint dieser Sabbatai eine bedeutende Persönlichkeit gewesen zu sein, denn nur mühevolle Arbeit von Laienhänden dürfte in den schweren Stein die recht ungeformten Buchstaben gemeißelt haben, um das Andenken dieses Großen, der ״für die Heiligung des göttlichen Namens sein Leben geopfert hatte'", künftigen Geschlechtern zu übermitteln. B. Zwei Grabsteine, von denen einer besonders gut erhalten ist, wurden unlängst beim Umbau der Olsabrücke nächst11 Judendorf bei Friesach ausgegraben. Sie verraten die kunstvolle Hand eines überaus fähigen Steinmetzen; der eine * Zu dieser Lesart Kat mich mein Kollege, Dt., B. Klar, angeregt. 5 Ich las ursprünglich תנחום und müßte füglich in der ersten Zeile הציג lesen, was aber infolge Vorhandenseins eines Buchstaben zwischen ה und צ nicht in Betracht kommt. (Ich übersetzte: ,,Diesen Denkstein hat zu Häupten des Sabbatai der Parnes Tanchum errichtetr in Ungarn ..X*) Die genauere Einsichtnahme ergab das Wort הנהרג, da der erste und dritte Buch« stabe deutlich je ein ה darstellen. Die Lesung הנהוג ist unwahrscheinlich. 6 D1. h. des göttlichen Namens. 7 Dürfte eine Abbreviatur für וירא-אלקים sein. Vgl. Hi lr 8 Siehe Dubnow IV, S. 319. 0 Ähnliches bei R. Meir aus Rothenburg. 10 Vgl. Dübnöw V. S. 173. 11 Es befand sich dort früher der jüdische Friedhof Friesachs (siehe darüber Fußnote 141). Nach verschiedenen Angaben, die man mir machte, sind dort viele solcher Grabsteine auf gefunden, jedoch leider beim Straßenbau wieder mitverwendet-und eingebaut worden; es konnten von Herrn Schulrat Zedrosser nur mehr die 2 erwähnten Grabsteine geborgen werden. Der zweite Grabstein, dessen unterer Teil noch vom Mörtel verkalkt ist und bisher nicht gelöst werden konnte, beginnt mit den Worten: ״Dieser Stein