Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Grabsteine in Kärnten
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 2)
- Language
- German
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Jüdische Grabsteine in Kärnten 53 bei den Aufschüttungsarbeiten hie und da auch hebräische Grabsteine zum Vorschein kommen. So ist es mir gelungen, einige bisher unzugängliche und daher unbekannte Grabsteine ausfindig zu machen, wobei mir das Entgegenkommen der Lei״ tung des Landesmuseums in Klagenflirt und das des Landes״ archivdirektors Hofrat Dr. M. Wutte im besonderen, sowie des Kustos des Friesacher Museums, Schulrates Th. Zedrosser, sehr zustatten kam. A. Einer dieser Grabsteine verdient sowohl seines hohen Alters als auch seines Schrifttypus und Textes wegen eingehen״ des Studium; er ist in St. Stephan1 bei Niedertrixen gefunden worden und dürfte der älteste hebräische Grabstein in Öster״ reich sein; Wohl fehlen gerade an wichtigen Stellen der In״ schrift einzelne Stücke, doch glaube ich auf Grund der Photo״ graphie, insbesondere des Negativs, die entsprechenden Ergän״ züngen eruiert zu haben. Der Text dieses Grabsteines lautet2: Dieser Denkstein wurde errichtet zu Häupten des S a b b a t a i des Pernes3, der getötet4 * wurde in Ungarn, im (? Jahre) (4) 890 nach der Schöpfung; er gab seine Seele hin zur Ehre Seines6 Namens und aLle seine •Tage (war er fromm), rechtschaffen und gottesfürchtig. מצבת ציון הלז הוצ(ג) מר אשתי שבת(י) (ה)םרנם 6הנהגרג) (מאונגריא בגשנת?) <ת)תצ לבריאה (דסוא נתן נפשס (ל)מען כבוד (שכסו ובכל ימיס (היה תם ו)ישר יוירל 1 Dieser Ort scheint schon zur Römer zeit besiedelt gewesen zu sein; unlängst wurde dort ein künstlerisch bedeutsames Gemälde aus dem 15. Jahrh. entdeckt. (Siehe Carinthia I, Geschieht!. Bei'tr. z. Heimatkunde .Kärntens, herausg. v. M. Wutte, Heft 2, 1934, S. 12*4 f.). 2 Ergänzungen in, Klammern. 3 — ״Pfleger'' oder ״Vorsteher'“ einer Gemeinde. Bezeichnung und Be״ griff bereits im Talmud (Sabb. 114a; Hör. 13b; Taan. 9a; Joma 86b; vgl. auch Schulchan Aruch 244, 17), jedoch im Mittelalter selten: Im Memor״ buche von Worms (Salfeld, Martyrologium, S. 75) nur einmal, auf Grab״ steinen in Prag meist im Zusammenhang mit מנהיג o. ä. erwähnt (siehe Hock, Die Familien Prags, Preßburg 1892, herausg. v. Kaufmann). Vgl. auch die Bezeichnungen פרנס המדינה (bei Wachstein, Die Inschriften & alten. Juden״ friedhofes in Wien, I, S. XXXIX u. S. 73) und פרנס החדש in der polnischen KahalVerfassung des 16. Jahrhunderts (Dubnow, Weltgesch. d. jüd. Volkes, VI, S. 345 ff.). "