Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 20)
- Language
- German
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Beitrüge zur vergleichenden. Sagen- und Märchenkunde 51 der. Fabel Jothams (Jud. 9), Jehoaschs (II. Reg. 14, 9). Von Hillei heißt es, er habe auch עצים ועשבים nrrto die Sprache der Kräuter und Bäume (Mas. Sofrim 16, 9), von Jochanan b. Zakka], er habe שיחת דקלים die Sprache der Bäume gekannt (Sukka 28a, Baba Bathra, 134a). Bäume singen und wahrsagen. In zahlreichen Fassungen des Märchens von ״De drei Vögelkens" ziehen die Brüder aus, um den singenden, klingenden Baum zu finden (Boite-Polivka, II. 380, 391). Wahrsagende Bäume werden im heidnischen Kanaan verehrt, was Benennungen wie אלון מורה oder אלון מעננים bezeugen (Benzinger, Archaeologie 19273 S. 316 f., Enc. Jud. III 1171f.). Das Motiv des redenden ist mit dem des blutenden Baumes verknüpft in der Aeneide, III. 26: Als Aeneas am Grabe des vom Thrakierkönige ermordeten Polydorus einen Myrthenzweig abbricht, quillt Blut hervor und eine Stimme verkündet die hier verübte Freveltat (Boite-Polivka, 162). Der kleine Walther Teil fragt: Vater, ist's wahr, daß auf dem Berge dort Die Bäume bluten, wenn man einen Streich Drauf führte mit der Axt? (Schiller, Teil, III. 3, 1772—1774). Im IV. Buch Ezra, V. 5 gilt als Zeichen des Endes: Von Bäumen wird Blut träufeln, Steine werden schreien. Wenn der Baum blutet, so liegt es nahe, ihm auch Gefühl und Schmerz zuzumuten: Wenn ein Fruchtbaum ausgehauen wird, so dringt sein Weheruf von einem Ende der Welt zum anderen, ohne jedoch vernommen zu werden (Pirke R. Eliezer, 34, 1; s. Löw, Flora IV. 265, wo aber der Hinweis auf Gen R. 6, 7 und Joma 20b auf Irrtum beruht). Bei der Wesensgleichheit zwischen Baum und Mensch ist das menschliche Schicksal zuweilen an den Baum geknüpft. ״Was dem Familien- oder Schutzbaum geschieht, geschieht auch dem Menschen, Das Verdorren des Lebensbaumes bedeutet auch den Tod seines Besitzers. Häufig besteht die Sitte, daß für den Neugeborenen ein Bäumchen gepflanzt wird. Wie dieses gedeiht, gedeiht auch das Kind" (HWB des deutschen Aberglaubens, L 956). Aus diesem Volksglauben erklärt sich die Aggada im Falle Bethars. Diese Aggada berichtet, es war Brauch, daß bei der Geburt eines Knaben eine Zeder, bei der eines Mädchens eine Pinie gepflanzt wurde; zur Hochzeit machte 4*