Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 19)
- Language
- German
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50 M. Gaster und! B. Heller über deren Sagengeschichte uns Hoffmann״Krayer (Handwörter״ buch des deutschen Aberglaubens I. 958—-962) und Löws Flora (IV. 347—349, 444, 450) belehren. Europäische Reisende des 17./18. Jhdts. brachten aus Inner״ asien die Abbildung einer Staude, in deren Fruchtkapseln junge Lämmer reiften. Und im Text stand zu lesen, daß der ״Baro״ metz“, das ״Pflanzenschaf' wahrhaftige Wollschafe trüge, die nach ihrer Ausbildung so wie Äpfel abfielen und davonliefen. Die Verfasser hätten das mit eigenen Augen gesehen. (Raoul H. France, im Feuilleton des Fester Lloyd vom 3. Mai 1934.) Wunderbare menschliche Empfängnis ist auch durch Pflan״ zen möglich. Z. B. im altägyptischen Brudermärchen empfängt die Frau des Pharao von einem Splitter eines Pfirsichbaumes, der ihr in den Mund fliegt. Daher auch die Vorstellung, daß die kleinen Kinder aus einem bestimmten hohlen Baum (Kindli״ bäum in der Schweiz) kommen (HWB d. deutsch. Abergl. I. 956). Vielfach die Wechselbeziehungen zwischen Baum und Mensch, ja, zwischen Baum und Gott. Ein Fichtenbaum bildet das Rückgrat des Osiris, als Fichtenbaum wird er wieder belebt (Frazer, Adonis, Attis, Osiris, 1907, 340—343)3. Häufiger werden Menschen zu Bäumen, Bäume zu Menschen. Unschuldig Ge״ tötete verwandeln sich in Pflanzen und entstehen wieder zu Menschen. Vorzüglich vier Märchenwandlungen weisen der״ artige Umwandlungen auf: 1. Der singende Knochen (KHM 28, dazu Lutz Mackensens gleichnamige Monographie FFC 49). 2. Der Machandelbaum (KHM 47). 3. Die zwei Brüder (KHM 60). 4. De drei Vögelkens (KHM 96). Im ägyptischen Brüder« märchen legt der Held Batu, Bitiu sein Herz in einen Akazien״ bäum, der Äkazienbaurri wird auf Befehl seiner untreuen Gattin ausgehauen, sein Herz wird als Beere gerettet, er verwandelt sich zu einem Stier, der Stier wird geschlachtet, zwei Tropfen seines Blutes werden zu zwei Pfirsichbäumen, diese Bäume wer״ den umgehauen, ein Span dringt in den Mund der untreuen Gattin, sie wird befruchtet, Bitiu wird neugeboren. Ähnliche Umwandlung, Reincarnation, ist dem Märchen geläufig. Da der Baum eine Seele hat, wohnen ihm menschliche Eigenschaften inne. Bäume sprechen nicht nur in der Tierfabel, 3 Freundlich mitg־eteiit von Dr. Geza Roheim.