Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 21)
- Language
- German
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52 Josef Babad! man daraus den Traubaldachin. Einmal brach die Wagenachse der römischen Kaiserstochter und ihre Soldaten hauten für sie eine derartige Zeder aus; die wütende Menge stürzte sich auf die Soldaten, man meldete dem Kaiser, die Juden haben sich empört (Gittin 57a, Parallelen bei Gaster, Exempla 75). Wenn wir bedenken, daß an den Lebensbaum das Schicksal eines Men״ sehen gebunden war, erklärt sich die Wut des jüdischen Volkes gegen die römischen Soldaten. Eine islamische Josephlegende wird durch diesen Volksglauben beleuchtet. Auf dem Gehöfte Jakobs grünt ein Baum, der allemal einen neuen Zweig treibt, so oft Jakob ein Sohn geboren wird; wächst, der Sohn auf, gibt ihm Jakob seinen Zweig. Bei der Geburt Josephs schießt kein neuer Zweig hervor. Doch auf Jakobs Gebet bringt Gabriel aus dem Paradies ein Reis, das alsbald Früchte trägt und die übri״ gen Zweige niederschlägt (Thaclabi, ed. Kairo, 1325, S. 68). Der״ artige Bäume und Zweige können als vorbildliche life״token gelten: als Schicksals״ und Lebensbäume. Das Motiv vom Baum, der Dschamschedh, Jesaia, Zacharias, Jesus schützt, wird abgeschwächt in einer Reihe von Märchen, wo verfolgte Wesen in einem hohlen Baume verborgen werden (s, Heckscher im HWB des deutschen Märchens, I. 399). Die Aggadä, das Martyrium Jesaiae, die persische Heldensage, die islamische Zacharia-Legende haben die urwüchsigere Volksauf״ fassung vom beseelten Baume erhalten. Gaster hat also richtig gesehen, was die Forschungen von Wundt, I. H. Philpot (Frazer, Grant Allen, Tylor, Weniger, Höfler) bestätigen, s. Marzeil im HWB des deutschen Aberglaubens I. 954—958. (In einem Punkt kann ich meinem Freunde Heller nicht zu״ stimmen u. z. in der von ihm behaupteten arabischen Priorität gegenüber der jüdischen Legende. Das Umgekehrte ist meiner Meinung nach der Fall: 1. jüdisch, 2. arabisch, 3. persisch. G.) Jüdische Grabsteine in Kärnten. Von Jos e £ B a b ad. Kärnten, das Land, in dem Jahr für Jahr neue Spuren aus keltisch״römischer sowie mittelalterlicher Zeit entdeckt werden, kann als wahre Fundgrube in jeder Hinsicht bezeichnet werden. Auch der jüdischen Forschung bietet sich dankbare Arbeit, da