Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 14)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 45 erklären (Revue des Traditions populaires XVI. 265). Die islamische Legende erzählte Ähnliches auch von Hassan (oder Hussein) dem Sohne Alis, wie ihn eine Pappel schützend birgt, bis ein Rebhuhn seinen Aufenthalt verrät (Dähnhardt, Sagen zum Neuen Testament 48 f.). Dähnhardt hat eine Fülle von lebenden Volksüberlieferungen zusammengestellt, in denen Bäume zur Zufluchtsstätte für Verfolgte werden. Meist ist es Maria, Joseph und das Kindlein Jesu, die derartig geschützt werden, in der Legende aus Alt- Kairo durch den Feigenbaum, in den Abruzzen durch den Olivenbaum (Dähnhardt, Sagen zum N. T. 46—49). Zahlreicher finden sich die Volksübeiiieferungen über Bäume, die sich wohl nicht öffnen, aber doch ihre Zweige senken und zuschließen, derart gegen Unwetter oder gegen Verfolgung Schutz bietend, —■ so der Palmbaum (Niederland), die Trauerweide (Westflandem, Italien), Wachholder, Esche, Rosmarin, Mimose, Hasel- Staude, Erle (S. 38), vorzüglich die Tanne (Ungarn, Schweden, Estland). Nicht nur Jesus und seine Eltern, auch andere Heilige finden derart wunderbare Zuflucht: Der heilige Magloire, der heil. Konrad, der heil. Morand (49—51), selbst eine verfolgte Mörderin (S: 38). Auch sind es nicht immer eben Bäume, die sich zum Schutze öffnen, manchmal Steine, Felsen, eine Säule (S. 50). Dähnhardt meint, ״daß der Schutz vor Unwetter den ursprünglichen Sagengehalt darstellt und daß dieser dann in christlicher Zeit umgestaltet worden ist“. Doch auf Grund der altiranischen Dschamschedh-Sage, der vorchristlichen Jesaia — und der frühislamischen Zacharijja-Legende, dürfen wir annehmen, daß die Lebensrettung, das ursprüngliche Motiv, sich später zum Schutz gegen Unwetter abschwächte. Es ergibt sich folgende Reihe der Geretteten: Jesaia, Zacharia, Jesus, Heilige, Verfolgte, — sowie folgende Wandlung der Motive: 1. Baum öffnet sich. 2. Felsen öffnet sich. 3. Baum senkt die Zweige. — Als Musterbeispiel der Fassung ohne tragischen Abschluß mag die von Gaster angeführte Legende gelten: כי הא דרב יצחק כר יוסף דאיכלע בארזא ואיתעביד ליד, גיסא, פקע אדזא ופלכידי R. Jichak b. Joseph wurde von einer rettenden Zeder verschlungen und wunderbar wieder entlassen (Sanh. 101a).