Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 12)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 43 ihn wieder ganz, da zünden sie den Baum an und am dritten Tag zersägen sie ihn samt Dschamschedh. Die persische Sage und die Aggada stimmen also in folgen« den Motiven überein: 1. Ein Gerechter wird verfolgt, 2. Ein Baum öffnet sich ihm, 3. Die Zufluchtsstätte wird durch den Dämon (Iblis, Belial) verraten, 4. Der Gerechte wird mit dem Baume zersägt. Bei derartiger Übereinstimmung der ganzen Kette von Motiven kann an ein zufälliges Zusammentreffen nicht gedacht werden: Hier muß Entlehnung zwangmä&ig an« genommen werden. Entlehnt hat hier die Aggada von der ira« nischen Sage. Lassen wir uns nicht durch den Iblis des spät« persischen Gedichtes beirren, der doch gewiß quoranischen Ein« fluß bezeugt. Iblis konnte in späterer Zeit an Stelle eines Diws oder gar Angra Mainjus getreten sein. Dhahhak selbst er« scheint polymorph: Tabari bemerkt richtig, daß er an Stelle Nimrods (Annales I. 323 f.) oder gar Nebukadnezars (Annales I. 183). tritt. Der Kern der Sage ist iranisch und auch schon dem Avesta bekannt (Beer bei Kautzsch Apokryphen I. 323, Lario« noff 61). Ich möchte noch darauf hinweisen, daß die Vorstei« lung der Zersägung auch sonst der persischen Heldensage nicht femlag: Der Held Zal fordert seinen Vater Sam auf, er soll ihn eher zersägen lassen, als daß er Kabul verwüste (Firdousi«Mohl I. 241). Spiegel, Darmsteter, Nöldeke weisen nach, daß eben die Gestalt Dschamschedhs (indisch Yima, Yama) und Dhahhaks (indisch Azi Dahaka) der gemeinsam indisch«iranischen, also der arischen oder selbst der gemein indo«europäischen Mythologie angehören (Nöldeke, Das iranische Nationalepos 19202 S. 1). 5. Islamische Jesaialegende. Wenn die Abhängigkeit der Aggada von der altpersischen Sage wahrscheinlich ist, so er« scheint die Abhängigkeit der islamischen Jesaialegende von der Aggada ganz zweifellos. Tabari erzählt: Im sündigen Israel wird viel Blut vergossen. Jesaia schleudert Straf« und Drohreden gegen die Sündigen. Er wird verfolgt. Ein Baum nimmt ihn auf. Schejtän ereilt ihn, ergreift den Zipfel seines Kleides, ver« rät den Verborgenen, — der Prophet wird zersägt (Tabari, An« nales ed. Leyden I. 642 f.).— Daß Tabari hier nicht die ihm wohlbekannte persische Heldensage, sondern einzig die Aggada vor Augen hatte, erhellt auch daraus, daß er hier die Kette