Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 6)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen״ undi Märchenkunde 37 anderen erkannte. Mit diesem1 Leben des Baumes wurde auch das Leben der Menschen verknüpft, in dem ein Baum bei der Geburt eines Kindes gepflanzt wurde und dann zum Trauhimmel benützt, gleichsam als Symbol, daß das alleinstehende Leben des Menschen aufgehört habe, und er nun׳ ein neues gemeinsames Leben beginne. Der Baum wird in einen neuen Boden verpflanzt; vgl. Mannhardt: Wald- und Feldkulte; I, S. 45 ff., 49 f. usw., II, 23 ff. Von dem innigen Zusammenhänge zwischen dem Leben des Menschen und des Baumes zeugt noch folgende Sage: ״Als R. Samuel b. Jizchak starb, wurden alle fruchttragenden Bäume durch einen gewaltigen Sturm ent״ wurzelt. Er pflegte nämlich bei Lebzeiten den Brautleuten einen von solchen Bäumen gepflückten Strauß voranzutragen“. Kethuboth 17a; jer. Peah 15d; Aboda sara 42c; Genes, r. 59, 4; vgl. auch Moed katan 25b, wo an Stelle von R. Samuel b. J. R. Ase genannt wird. Eine andere Sage erzählt: ״Als Manasse ein Götzenbild in den Tempel von Jerusalem brachte, vertrockneten alle F r ü c h t e v o n P a 1 ä s t i n a. Numeri r. 12, 4, Cant. r. Kap. 5. Der Baum dient auch als Hülle für einen Geist, einen Dä״ mon, der gewöhnlich in Bockgestalt erscheint. Es wird von den Ägyptern erzählt, daß sie zu einer bestimmten Zeit Bäume pflanzten und sie nach einem Jahr umhieben;. Da kam ein Dämon (Sched) in Gestalt eines Bockes, tanzte und sprang auf dem Wipfel des Baumes herum und verkündete ihnen die Zukunft. Sepher Chassidim § 1162; daraus Jalkut chad. fol. 89b, Nr. 54. An derselben Stelle heißt es, die Ägypter hätten ihre Beschwö״ rungsformein in das Ohr eines Lammes geflüstert, da sei ein Dämon erschienen und habe ihnen auf ihre Fragen Bescheid gegeben. Eine in diesen Kreis gehörige Erzählung findet sich bei Ben Atar fol. 15a f.: Ein frommer Mann wollte einmal einen Baum, der in seinem Felde stand, fällen. Es war nämlich ein Johannisbrotbaum. Dar״ unter stand ein Götzenbild und alle, die vorübergingen, traten hinzu, um es anzubeten, und zertraten die Saaten des Mannes. Als er die Axt an den Baum legen wollte, kam ein Dämon und versprach ihm, zuerst täglich eine, schließlich aber täglich drei Goldmünzen zu geben, wenn er den Baum stehen lassen wollte.