Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 4)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen״ und Märchenkunde 35 halb in den Baum, der sich immer sonst zu öffnen und sie ein״ zulassen pflegte, nicht mehr hinein, er bleibt verschlossen2; vgl. Mannhardt, Der Baumkultus S. 104, Nr. 5: ״In eine Spinnstube zu Rouge״vie bei Foucogney in den Vogesen pflegten 12 nied'״ liehe Jungfrauen mit ihren niedlichen Spindeln zu kommen. Ein junger Bursche, der ihnen nachsah, sah eine jede in einen Baum hineingehen“. Zwölf Jungfrauen kommen auch mit silbernen Kleidern und goldenen Haarbändern a u s d e r L i n d e, welche der Zwerg mit einem Schlüssel auf schließt. Holtzmann: Wolf dietrich S. XXIX, XCIV. Die Hamadryaden der Griechen finden darin ihre Vertretung; s. Grimm D. Mythol. 617 ff. Im serbischen Liede bei Vuk Nr. 296 sitzt ein Mädchen in einer Fichte, deren Rinde der Knabe mit silbernem und goldenem Hörn spaltet; s. Liebrecht, Zur Volkskunde S. 471. Mit dieser Kraft zu verschlingen, ist auch der Baum begabt, der der Sage nach in Jethros Garten aus dem Stabe sproß, den Jethro aus Ägypten auf seiner Flucht vor Pharao mitgenommen hatte. Er hatte nämlich, als Mose dem Pharao: die Krone vom Kopfe schlug, Pharao vor jedem gewalttätigen Schritte gegen die Israeliten gewarnt und sich dadurch den Zorn des Pharao zu״ gezogen. Diesen Stab, der kein geringerer war als! der von Adam aus dem Paradies mitgenommene, steckte Jethro in seinen Garten, und als er ihn dann herausziehen , wollte, hatte er schon Blätter und Blüten ausgeschlagen und war unmöglich zu ent״ wurzeln. So oft sich nun ein Freier für seine Tochter meldete, ließ er ihn den Baum berühren, der ihn auch gleich verschlang. (Midr. Wajoscha ed. Jellinek. Bet״hamidr. I, 42); s. Pirke de R. Eliezer Kap. 40; Targ. Palest. Ex. 22I; Chronik Moses ed. Venedig fol. 7a. Sotah 11a, Jalkut I, § 168 S. 173, wo er bloß festgewurzelt im Böden stecken bleibt, ohne sich in einen Baum zu verwan״ dein; nur Möses kann ihn mit Leichtigkeit aus dem Boden ziehen, während es allen anderen unmöglich ist. Analogien für das plötzliche Erblühen eines Stabes begegnen uns schon in der Bibel, so beim Stabe Aharons. So er״ blüht der Stab in der Legende von St. Christophoros. Simrock, Legenden Bonn 1855, S. 20, ebenso der des Krok in den Märchen 2 Der Einfluß der griechischen Daphne״ Sage (Ovid! Met am. I, 452 ff.) ist unverkennbar.