Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Sokrates in der jüdischen Literatur
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 10)
- Language
- German
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12 J. Bergmann phanes und sah in dessen Komödie ״Wölken“ nur eine ״pössenhafte Fratze, die sich zur Ehre des verfolgten Philosophen bis auf unsere Zeit erhalten hat.“ Nach Mendelssohns Meinung sei der Komödiendichter i zu seinem Werke von Gegnern des Sokrates veranlaßt worden ebenso wie die Sophisten, Priester und; Richter den Tod des Sokrates, einen Justizmord, auf dem Gewissen hätten16. Wie Sokrates bei den Romantikern als Träumer; und Mystiker, bei, den Kantianern als Kritizist, bei Hegel als Rationalist und Subjektivist, so wurde er von Mendelssohn als deistisch denkender Populärphilosöph und edler Menschenfreund dargestellt. Es war; sein eigenes Ebenbild, in dem Mendelssohn den griechischen Weisen zeichnete. Die Persönlichkeit des Sokrates zog Wieland, Klopstock; Hamann und andere in ihren Bann, und auch Mendelssohn folgte dem Geiste des Aufklärungszeitalters, als er Sokrates in dein Mittelpunkt seines ,JPhädon“ stellte. Allein bei allem, das ihn mit Sokrates verband, vergaß er des Trennenden nicht. So schrieb er Hartwig Wessely, er habe die Beweise für die Un- Sterblichkeit der Seele ursprünglich in hebräischer Sprache und auf talmudische Aussprüche, mit denen er übereinstimme, sich stützend, vortragen wollen,; statt sie Sokrates in den Mund zu legen, ־ der ihn* einen Bekenner der wahren Religion* nichts angeheV.;■i .) ־־/Ki . Der anmutige Stil des Phädoiv und die edle Gesinnung, die in ihm zum Ausdrück kam^ gewannen dem Werke viele Leser und seinem Verfasser viele? Verehrer. Durch Mendelssohns ״Phädon“ lernten die; Juden die Persönlichkeit des Sokrates von neuem kennen und verehren,; 7. Im Verhältnis zu Sokrates offenbart sichl zugleich die Stellung des Judentums zum Griechentum. Die einzigartige Stellung der griechischen Nation in der Geschichte der Menschheit beruhe, nach dem Worte eines Historikers, in letzter Linie auf Sokrates-®, Darf Sokrates /als Symbol des griechischen Geistes gelten, so Moses als das des jüdischem Mose& und י So^ krates, jüdische Frömmigkeit und griechische Philosophie* Glau- 18 Mendelssohn;, Schriften II 84. 75. 81; vgl. Keyserling 148 f. 17 Hebr.Brief, Jubiläumsausgabe XVI 119; vgl.. Guttmann, Philosophie des Jüdentüms 307. 18 Ed1. ■ Meyer, Geschichte dies Älterttnhs1 IV 461.