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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 9

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 1
Article
Sokrates in der jüdischen Literatur
Date
1936-01-01
Page
Seite 9 (sequence 7)
Language
German
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Sokrates in der jüdischen Literatur 9 Wie Sokrates in den Gesichtskreis der arabischen Religions- Philosophen getreten, so auch in den Gesichtskreis der von ihnen beeinflußten jüdischen Religionsphilosophen, die das Bild des griechischen Weisen wieder zum Teil in ihrem Ebenbilde und zum Teil nach dem Vorbilde der Araber gezeichnet haben. Der ,,Meistert der im Kusari die Gedanken von Jehuda halewi selbst ausspricht, hebt des Sokrates Art hervor, mit seinen Schülern zu philosophieren: ״Auch philoso״ phierende Weise haben Liebe zur Einsamkeit, um ihre Gedanken zu erläutern und wahrhafte Ergebnisse aus ihren Meinungen zu erzielen, damit sie zur Wahrheit gelangen, insofern ihnen noch Zweifel geblieben sind. Dabei haben sie Wohlgefallen an dem Umgang mit den Schülern, die ihr Forschen und Gedächtnis fördern. Das ist die Stufe des Sokrates und dessen, der ihm gleicht. Zur Stufe dieser Einzelnen zu gelangen, ist für uns keine Hoffnung.“ Durch den Mund des ״Philosophen V mit dem er sich allerdings nicht identifiziert, läßt Jehuda halewi Sokrates in die Reihe der; vollkommenen Menschen aufnehmen, die im Sinne der Philosophie Unsterblichkeit erworben haben: ״Die Seele des vollkommenen Menschen wird eins mit dem tätigen Verstand; er ist daher um die Vernichtung seines Körpers- und seiner Glieder nicht besorgt, weil er und der tätige Ver~ stand eins geworden sind. Seine Seele lebt in Gemeinschaft mit Hermes, Äskulap, Sokrates, Plato und Aristoteles, denn sie und er und jeder, der zu ihrer Stufe emporgestiegen ist, sind eins und ewig■'. Zweimal zitiert Jehuda halewi einen bereits von Alfarabi angeführten Ausspruch, in dem Sokrates erklärt: ״Ich leugne diese göttliche Weisheit nicht, doch ich sage, daß, ich sie nicht fasse, ich verstehe mich nur auf menschliche Weisheit13. So groß, euch die Verehrung ist, die Jehuda halewi Sokrates zollt, so weiß er doch die göttliche Weisheit in der Religion und auch in der jüdischen Religion gegen die menschliche Weisheit des Sokrates abzugrenzen. 6. Als die abendländische Kultur sich vom mittelalterlichen Denken und Leben loszuringen anfing, erwachte demokratische Geist zu neuem machtvollen Leben. ״Sokrates oder vom mensch- ~3 Kusari IH 1 S. 193 f., I 1 S. 25 f., IV 13׳ S. 327, V 15 S. 405; vgl. Kaufmann, Attributenl-eKre 216 Note 197.

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