Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Träger des Namens "Meisterlein" in der Steiermark
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 16)
- Language
- German
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46 D. Herzog kollegium, auch blieb das Verhältnis trotz aller Verstimmung auf beiden Seiten ein korrektes, aber zu einem innigeren Ver״ hältnis zwischen den Verwandten80 und ehemaligen Studien״ kollegen sollte es nicht mehr kommen. Dazu waren ja auch die Charaktere beider zu verschiedenartig veranlagt. Isserlein, ein überaus friedfertiger, gutmütiger70, Meisterlein hingegen ein ver״ drossener, verbitterter, unzufriedener und eingebildeter Mann, der kaum jemanden neben sich hat gelten lassen mögen. Gewiß er war ein fähiger und gelehrter Kopf71; auch begreifen wir, daß er bei den Schicksalsschlägen und Zurücksetzungen, die ihn getroffen, verbittert sein konnte. Das alles aber kann keinen aus״ reichenden Grund für die maßlose Übersteigerung seiner Gereizt״ heit und seines Abgehens von guter, alter Sitte abgeben. Gerade dieser letztere Umstand aber war es, der ihn in einen schweren Konflikt mitlsserlein und der Gemeinde in Wr. Neustadt brachte. Der Grund hierfür lag darin, daß er einmal, an den hohen Feier״ tagen, beeinflußt von den mystisch״kabbalistischen Lehren seines Großvaters und Lehrers Sälom72 die drei ersten Benedik״ tionen der Tephilläh in einer kabbalistischen Fassung im Tempel vortrug. Damals war es nämlich Sitte, daß die gelehrtesten und frömmsten Männer im Gotteshaus die Gebete vortrugen, was ihm aber der jeder Mystik abholde, wenn auch in derselben wohl״ bewanderte Isserlein73 verwehrte74. Nun scheint sich aber Meisterlein diesen Anordnungen seines Vorgesetzten nicht ge״ fügt zu haben, weshalb es einmal zu einer unerquicklichen Szene gekommen ist, indem seine Feinde den Stadtrichter holten, der dann Meisterlein mit Gewalt vom Vorbeterpult hat entfernen lassen. Dies schwere Unrecht gegen einen immerhin bedeuten״ den Gelehrten hat viel Staub aufgewirbelt und neben anderen auch den gelehrten Erfurter Rabbiner Jakob Weil75 auf den Plan gerufen und veranlaßt, den würdelosen Hetzern eine schwere Rüge zu erteilen76. Das alles aber blieb gewiß nicht ohne Wir״ kung auf das ja ohnehin stark gereizte Gemüt ■Meisterleiris* So war denn sein Leben von einer Kette schwerer Enttäuschungen und Bitternissen, die ja gewiß nicht ganz unverschuldet waren, erfüllt. 69 So heißt es PesuKefc.״ Nr. 138: תכחט . ותחתם לשנת טובד, שאירי מתר״ר מיישטר״ל יצ״ו ועמיתי מתר״ר יוומץ הץ יציר ועמ״תי הר׳ אייוק םג״ליצ״ו. 70 Vgl. Polläk, S. 69 ff. 71 Israel• Brima. RGA., Nr. 58 u, 227. 72 Vgl. oben S. 77.; 73 לכןט יושר־, I, 121 u. 128. 74 להט יושר I, 20 f. 75 Vgl. über ilm Greefcz VHI3, 209 ff. 76 RGA,, Nr. 140.