Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Träger des Namens "Meisterlein" in der Steiermark
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 14)
- Language
- German
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44 D. Herzog־ Recht auf Seiten Isserleins gewesen zu sein55. Doch fand Meister« lein seine Verteidiger in Eliäh aus Prag und in dem aller Wahr״ scheinlichkeit nach damals in Wr. Neustadt lebenden R. Peres56. Aber gerade die Verteidigung durch diesen letzteren, dessen auf״ brausende Art auch vor schwer beleidigenden Worten nicht zurückschreckte57, wie auch sein eigenes, verbittertes und eigen״ sinniges Wesen scheinen ihm aller Sympathien der Gemeinde beraubt zu haben. So z. B. gründeten tüchtige Männer in offenkundiger Feindseligkeit gegen Meisterlein eine neue Schule unter dem Vorwand, Meisterlein hätte das Studium der älteren Lehrer (ראשונים) vernachlässigt58. In Wirklichkeit hatte diese Unterlassung ihren wahren Grund einfach darin, daß die Schriften der Alten vielfach gar nicht aufzutreiben waren, so daß selbst Isserlein das bekannte Buch, den großen ״Or Sarua“ des Oesterreichers Isak b. Moseh, das wohl in Marburg vorhanden war, in Wr. Neustadt nicht aufzutreiben vermocht hatte59. Wie schlecht es um den Bücherbestand in der damaligen Zeit überhaupt bestellt war, mag man daraus ersehen, daß selbst der reiche und hochgelehrte Isserlein zur Zeit seiner Amtswirk״ samkeit in Marburg aus Anlaß der Beantwortung eines Rechtsgutachtens, das das Rabbinatskollegium in Wr. Neustadt von ihm eingefordert hatte, sich darüber beklagte, es falle ihm schwer, die richtige Antwort zu geben, weil die Bibliothek seines Schwagers Mendel, die er, wie es scheint, stark benützt haben dürfte, sich derzeit in G r a z befinde und seine eigene Bibliothek bei weitem nicht hinreiche, eine erschöpfende Antwort geben zu können60. Daß es damals im allgemeinen nicht gut um den Bücherbestand gestanden hat, wissen wir auch aus anderen Quellen. So z. B. zweifelte Isserlein daran, ob in der ganz be~ deutenden Gemeinde Mestre (Italien) ein Exemplar des talmudischen Traktates ״Möed kätän“ aufzutreiben sein werde61. Andererseits z. B. lagen Isserlein nicht weniger als 6 Exemplare des ״Sepher Miswoth gadöl (Semag/y das sich allerdings allgemein hohen Ansehens erfreute und weit verbreitet war62, vor63. Die Errichtung dieser Konkurrenzschule — in der auch sonst 55 PesuKet. Nr. 64 m 65 u. Israel1 Bruna, RGA., Nr. 121. 50 Vgl׳. Fredmann, S.. XLIII, Arnim 145 u. Israel׳ Bruna, RGAV Nr. 227. Vgl:, auch Freiiuairm, S. XLVEI, Nr. 116 u. Polak, a. a. O* S. 56, Anm. 102. 57 Freimann, a. a. Ov S. XLVIH, Nr. 116. 58 Vgl. Israel Bruna, RGA., Nr. 58 u. 227. 69 לקט יושר, II, 14.. 60 Vgl. PesuKet, Nr. 138; MGWJ., 1864, S. 391, Anm. 1; Güdemamn, S. 65 u. Krauß, S. 162. 61 VglL לקט יושי־ I, 102 U. Güdemann, S. 65. 62 Vgl Graetz, VE3, S. 108. 63 PesuKet., Nr. 172.