Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Träger des Namens "Meisterlein" in der Steiermark
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Träger des Namens ״Meisterlein" in der Steiermark 41 vater und bei Aron Blumlein, der im Jahre 1421 den Märtyrertod erlitten hat45. Als er bei dem letzteren studierte, muß er bereits auf einer ziemlich hohen, geistigen Stufe gestanden haben, denn er trifft bereits in Gegenwart seines Lehrers gesetzliche Ent« Scheidungen46. Nach beendigtem Studium erhielt er seine Ordi״ nation von Nathan aus Eger, dem Lehrer Isserleins47. Kurz dar״ auf dürfte er in das Rabbinatskollegium seiner Vaterstadt Wr. Neustadt berufen worden sein. Doch sollte ihm die Freude über seine Anstellung gar bald dadurch getrübt werden, daß sowohl sein Vater, wie auch mehrere Verwandte und andere angesehene Männer und Frauen aus Wr. Neustadt mit mehr als hundert Juden und Jüdinnen aus Wien, auf Befehl Herzog Albrechts am 12. März (9. Nissan) 1421 wegen einer angeblich von einem Juden verübten Hostienschändung auf der Erdbergwiese bei Wien verbrannt worden sind48. Der furchtbare Eindruck dieses Ereignisses und der mystisch schwärmerische Einfluß, den sein der Kabbala zugewandter Großvater und Lehrer Sälöm49 auf den empfänglichen und impulsiven jungen Mann, ausgeübt haben mochte, gaben seinem Wesen zeitlebens sein Gepräge. Hier in Wr. Neustadt entfaltete er nun jetzt, da der Rabbinatssitz seit dem im Jahre 1421 erfolgten Märtyrertode Aron Blumleins bis zur Berufung Isserleins, also etwa bis zum Jahre 1450 unbesetzt geblieben ist50 — der Grund hierfür dürfte nicht Zunz, Die Ritus dies synagogaien Gottesdienstes, Berlin 1859, S. 35 u. Frei״ mann, Leket Joser, II, S. XLIII, Anm. 142. 45 Vgl, Güdemann, S. 28 f.; Polläk, S. 55 ff.; Goldmann, S. 127, u. Krauß, S. 50 u. 144 ff. 46 Mahariii, RGA., S. 52b. . 47 Israel Bruna, RGA., Nr. 127. Allerdings ob nicht auch Meisterlein ähnlich wie sein Verwandter Isserlein bei Nathan aus Eger eine zeitlang studiert hat, is!t nicht zu erweisen*, dürfte aber der Fall gewesen sein,. weil er ihn sonst kaum ordiniert haben dürfte. 48 Maharil, RGA., Nr. 38 schreibt: כמדומה שמעתי מאביך הקדוש ה׳ ינקום דמו Vgl. auch Nr. 107, S. 51a; Freimann, XLIII u. Krauß, S. 191 Anm. 245. 49 Polläk, S. 50 u. Freimann, XLIX, Nr. 124. 00 Vgl. Güdemann, S. 29. Isserlein scheint seinen Wohnsitz von Mar״ bürg nach Wr,. N, i. J. 1450 verlegt zu haben. Denn sein Schüler Joseph von Höchstädt hat in zwei verschiedenen Zeitabschnitten! bei Isserlein studiert: das erstemal ungefähr fünf Jahre (vgl. die Einleitung zu seinem Buche, I 4: בהחלה הייתי באושטריך אצל הגאון דל כנגד ה׳ שנים); d. h. ungefähr 1448—1453 (gegen EJ. IX, 361 ff., wo als Zeit seines Aufenthaltes in Marburg die Jahre 144S—1454 angegeben werden,. Aber aus den Stellen, die ילקט יישר II, 117, s. v. ,מרפורר verzeichnet sind, geht unzweideutig hervor, daß er sich längere Zeit in Marburg aufgehalten haben mußte. Wir können dies neben vielen anderen Tatsachen auch daraus schließen!, daß Joseph noch in! Marburg bei Isserlein studiert hatte, daß er uns in einem Berichte im לקט יושר über das Baden Isserleins in der Drau Mitteilung macht.. Er berichtet ferner, Isserlein habe im Jahre 1449 bei der Wende des achtundzwanzigjährigen Somnenzyklus den Segensspruch verrichtet (I 43). Andererseits hat Isserlein, im Jahre 1450 aus Anlaß der