Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Träger des Namens "Meisterlein" in der Steiermark
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Träger des Namens ״Meisterlein'* in der Steiermark 39 Wir besprechen hier nur Meisterlein III. und Meisterlein IV. Der erstere hat nur in Wr. Neustadt gelebt, der letztere siedelte 1467 von Wr. Neustadt nach Bruck an der Mur, in ein ihm von Kaiser Friedrich IV. vermietetes Haus, das nach dem verstorbenen Juden Joachim aus Bruck37 an den Kaiser gekommen war, über. Dieses Haus lag in der ״Khueffergasse“38. 3T Über diesen Joachim berichtet uns auch die im steierm. LA. erliegendie Urkunde v. 15. Oktober 1470, aus der zu entnehmen ist, daß Joachim vor seinem im Jahre 1467 erfolgten Tadie einen Teil seiner Schulden an den reichen und bekannten Bürger Peter Kornmetz (über diese Familie vgl. Zahn, Joseph, Styriaca uswv Graz 1894, S. 122 ff.) zediert hatte. 38 Urk. v. 6. Juli 1478, Graz (Ch. \ 2, S. 812, Nr. 969? Zahn, Josef v., Ortsnamenbuch usw., Wien 1893, S. 70, s. v. Bruck a. M., u. meine Urku^ Reg., Graz 1934, I, S. VIII, Anm. Die Angabe, daß das Haus des Juden Joachim in der ״Khueffergasse** gestanden, hat für uns auch eine topographische Bedeutung, weil wir daraus die Lage des Judenviertels in Bruck a. d. Mur ermitteln können. Diese ״Khueffergasse** ist nämlich die später und auch heute noch so benannte, im Süden der Stadt unweit der Mur g’elegene ״Schiffgasse** (zuweilen auch ״Schöffgasse** genannt), die im 15. Jahrhundert hart an der Stadtmauer (vgl. über dieselbe Wengert, H., Die Stadtanlagen in, der Steiermark, Graz 1932, S• 45), dem üblichen Standort der Judienviertel (so in Graz, Hannover, vgl!. Kober, Grundbuch des Kölner Juden Viertels 1135—1425 [in ״Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde XXXIV**], Bonn 1920, S. 12, Anm. 12, gelegen ist. Hier in Bruck dürfte nicht so sehr die Anrüchigkeit der Gegend den Grund der Ansiedlung in dieser Gegend gebildet haben, als vielmehr die Nähe der Mur, die den Juden als Handelsleuten zustatten kam. Wie mir Herr Amtsrat Franz Wagner, Vorstand des Stadtamtes in Bruck a. d. Mur, ein ausgezeichneter Kenner der Geschichte Brucks, dem wir auch das schöne Buch ״Bruck a. d. Mur**, Bruck 1929, zu danken haben, mitteilt, hat er die Bezeichnung ״Khueffergasse** noch in Urkunden des Jahres 1545 gefunden!, jedoch vom Jahre 1591 ab findet sich nunmehr die Bezeichnung ״Schiffgasse**. Über die Lage dieser Gasse, die neben dem Schlachthaus, nahe der Mur, liegt, vgl. die schöne Planskizze am Schlüsse des Buches von Wagner, von dem wir demnächst auch ein erschöpfendes Gassen- und Häuser- Verzeichnis von Bruck a. d. M. (Bruck 1935) zu erwarten haben., War nun da!s Juden viertel hier gelegen!, und darüber kann׳ kein Zweifel bestehen, denn kann der Judentempel unmöglich in der ganz nördlich gelegenen ״Kirchengasse gelegen sein**, wie dies Wagner in ,einem in Kunstkreisen Aufsehen erregenden Feuilleton der in Graz erscheinenden ״Tagespost"* vom 3. Januar 1933, Nr. 3, und in der Zeitschrift für Denkmalpflege und Heimatsschutz ״Die Denkmalpflege**, Berlin—Wien 1933, S. 46 ff., erschieneuen Aufsätzen: ״Eine mittelalterliche Synagoge in Bruck a. ■dl Mur"* darzulegen versucht hat, was ich aber schon in meinem in den ״Blättern für Heimatkunde*'‘, Graz 1933, Jahrg. 11, Heft 1, S. 4 ff., erschienenen bebilderten Aufsatze, in welchem auch die Grundrisse des angeblichen Tempelbaues abgebildet sind, mit wie ich glaube zwingenden Gründen, vgl. namentlieh S. 9 dortselbst, als unrichtig bezeichnen mußte. Ich glaube an die von mir dort gebrachten Beweise, an welchen, auch alle ״Überlegungen** etwa, die von dem noch bestehenden Gebäude, welches angeblich der Judentempel sein sollte, ausgehen, nichts ändern werden, wie dies die Schriftleitung der ״Blätter für Heimatkunde** in einem meinem Aufsätze angefügten Nachworte anzunehmen!glaubt.