Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Israel Aaron, Hoffaktor des Großen Kurfürsten und Begründer der Berliner Gemeinde
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 9)
- Language
- German
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28• Oswalde Lassally Salomon Israel, war Schutzjude in Halle. Und zwar wurde er dort im Jahre 1688 aüfgenommen41. Durch Reskript vom 1 lv 12. 1702 gestattete der Nachfolger des Großen Kurfürsten, König Friedrich I. von Preußen, ״aus sonderbaren hohen Gnaden und wegen der von Unserer Hof Jüdin sowohl als deren verstorbenen Ehemann Uns geleistetem guten Dienste4', daß der Sohn der Hof- Jüdin Liebmannin, Salomon Israel42, ein Haus erblich ankaufen dürfe. Seine meiste Verkehrung (Handel) hatte er mit seiner Mutter, der Berlinischen Hofjüdin43. Diese hatte nach Israels Tod den ״Hofjubelier'4 Jost Liebmann geheiratet und nahm auch nach dessen Tode noch eine sehr einflußreiche Stellung bei Hofe ein. Sie soll das Recht gehabt haben, unangemeldet das Zimmer des Königs zu betreten44. Von ihr gibt Selma Stern45 folgende Charakteristik: ,,Eine geborene Politikerin', klug und diplomatisch und von einem glühenden Ehrgeiz fast verzehrt, steht sie jahrelang an der Spitze einer Clique, die völlig von־ ihr abhängig ist. Sie bildet den, Gegenstand des, Hasses für den übrigen. Teil der, Gemeinde^, der. sie fürchtet und. verfolgt, aber, doch ihrer tyrannischen Art und ihrem harten Willen sich fügt .... Sie ׳erreicht für sich selbst Befreiung von der Gerichtsbarkeit der Judenkommission und Exemption von allen Ver- Ordnungen der Regierung: Sie führt endlose Prozesse gegen alle, die sieh weigerny ihre Kreaturen! zu werden. Sie intriguiert viele Jahre gegen den Bau einer allgemeinen. Synagoge in Berlin, um die Gemeinde zum Besuch der eigenen Schule zu zwingen. Trotz alledem liegt aber etwas, Großartiges in der Fülle ihrer Tatkraft, ihrer Arbeitslust, ihrer großen Gebefreudigkeit, ihrer ungeheuren und ungebrochenen Lebenisenergie und der klugen Zügelung ihres: heißen Temperamentes. Unter anderen Verhältnissen, in anderen Zeiten wäre sie sicher eine Herrscherin ganz großen Stiles geworden . . .“. 41 vgl. Hallo, S. 60 und S. Stern, Bd. 2, S. 536 (Judenverzeichnis: vom 28. 12, 1713). 42 er ist also nicht ihr S t i e f sohny wie S. Stern, Bd. 1, S. 80 irrtümlich annimmt. , * .. 48 vgl. Kisch, Die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Halle, Sachsen- Anhalt, Jahrbuch Bd. IV, S, 166. 44 siehe König, Annalen der Juden in den preußischen Staaten, besonders in der Mark Brandenburg, 1790, S. 132. 46 Stern*, Bd, 1, S. 150.