Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Israel Aaron, Hoffaktor des Großen Kurfürsten und Begründer der Berliner Gemeinde
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830009-2850195--53182-2850252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Israel Aaron, Hoffaktor d. Großen Kurfürsten' u. Begründer d. Berl. Gern. 25 döm Namen seiner zweiten Frau bekannt gewordenen ״Lieb« mann sehen Synagoge־". Dafür spricht, daß er auch in Landsberg, wie wir sahen, eine Synagoge eingerichtet hatte. Mit Recht wird er daher in der Grabschrift seiner Schwiegertochter Esther, der Frau seines Sohnes Aaron Israel, als der ״Begründer der Gemeinde"" bezeichnet25. Offenbar ist Israel Aaron nicht ständig in Berlin ansässig gewesen, sondern in geschäftlichen Angelegenheiten im Lande umhergereist. Wir wissen dies aus einem eigenhändigen Schreiben des Kurfürsten an den Landeshauptmann des Fürstentums Glogau, in dem er diesen bittet, Israel Aaron eine 45 tägige Frist zu• gewähren, weil er in Geschäften des Kurfürsten noch in Hamburg zu tun habe26. Wie die Akten des Preußischen Geh. Staats-Archivs weiter ergeben, hatte Israel auch umfangreiche Gesehäftsbeziehungen nach Amsterdam. Seine Aufgabe war es, den Hof und die Armee mit allem Nötigen, wie Lebensmitteln und Livreen, Futtervorräten und Monturen zu versorgen. Auch oblag ihm der Ankauf des Silbers für die Münze27. Da der Kurfürst die aus diesen Lieferungen herrührenden Forderungen meist nicht in bar bezahlen konnte, so wurde Israel des öfteren auf die Staatseinnahmen verwiesen. So heißt es z. B. in einem Reskript an den Amtskammerrat Michael Mathias vom 4. 10. 166528: ״Nachdem zu Behuf seiner Churfl. Durchl.Hofstaat der Jude Israel Aaron nicht allein zwoone Liberay, sondern auch für Dero Hofküche Gewürze geliefert und dahero ein großes annoch zu fordern, als haben Se. Churf. Durchl. auf Abschlag solcher Forderung ihn mit 2400 Rtl. an den Zoll . . . . hiemit verweisen wollen/" Derartige Zahlungsanweisungen finden sich in den Akten des Geh. Staatsarchivs in großer Menge. Um diese umfangreichen Geschäfte erledigen zu können, bedurfte Israel natürlich 25 Grab Nr. 91, Friedhof Gr. Hamburgerstr. in Berlin. 26 vgl. Geh. Preuß. Staatsarchiv R 21—202 b. 27 siehe Schutzbrief vom 6. 10. 1657 — Anlage I. 28 Geh. Staatsarchiv R 21—202 b.