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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 7

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 1
Article
Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart
Date
1935-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart 7 nicht untersuchen, in wie weit Rosenzweig in seiner Charakteristik des Christentums und des Islam diesen Religionen gerecht wird. Das Judentum jedenfalls begreift er unter dem Einfluß Cohens nur in seinem universalistischen Glaubensgehalt. Das jüdische Volk ist ihm im Gegensatz zu allen anderen Völkern nicht ein Volk, das in einer Heimat, einer Sprache, in nationalen Sitten und Gesetzen wurzelt, sondern die durch die Bande des Blutes geeinte Gemeinschaft, die Gott zum Träger seiner ewigen Offenbarung berufen hat. ״Das ewige Volk" erkauft sich seine Ewigkeit um den Preis des zeitlichen Lebens. Ihm ist die Zeit nicht seine Zeit, nicht Acker und Erbteil. Ihm erstarrt der Augenblick und steht fest zwischen unverrückbarer Vergangenheit und unbeweglicher Zukunft. Indem die heilige Gesetzeslehre das Volk aus aller Zeit- und Geschichtlichkeit des Lebens heraushebt, nimmt sie ihm auch die Macht über die Zeit. ״Land, Sprache, Sitte und Gesetz ist uns schon lang aus dem Kreise des Lebendigen geschieden und ist uns aus Lebendigem zu Heiligem erhoben; wir aber leben noch immer und leben ewig; mit nichts Äußerem mehr ist unser Leben verwoben, in uns selbst schlugen wir Wurzeln, wurzellos in der Erde, ewige Wanderer darum, doch tief verwurzelt in uns selbst, in unserem eigenen Leib und Blut, und diese Verwurzelung in uns selbst und allein in uns selbst verbürgt uns unsere Ewigkeit." (S. 383.) Gerade wegen dieser eigenen Geschichtslosigkeit ist das jüdische Volk Volk Gottes. Als Gottes Liebling, als Israel weiß es sich von Gott erwählt. Und dennoch weiß es auch genau, daß Gottes Liebling zu sein nur einen Anfang bedeutet, und daß der Mensch noch unerlöst bleibt, solange bloß dieser Anfang verwirklicht ist. ״Gegen Israel, den ewig Gottgeliebten, ewig Treuen, ewig Vollendeten, steht der ewig Kommende und ewig Wartende, ewig Wandernde, ewig Wachsende, steht Messias." (S. 386.) So übersieht diese Isolierung des religiösen Bewußtseins von den geschichtlichen Grundlagen des religiösen Erlebens die Existenz des jüdischen Volkes im Boden seines eigenen geschichtlichen Daseins und verwandelt das Judentum in die Offenbarung universaler Ideen, Lehren und Bräuche, in denen Schöpfung, Offenbarung und Erlösung ihren erlebbaren Aus-

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