Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Albert Lewkowitz Dasein verliert, das zu begründen und zu begreifen er sich unterfangen hat. So wirft Rosenzweig der idealistischen Philosophie den Fehdehandschuh hin. Das gläubige Denken ist die Entdeckerfahrt von den Nichtsen des Wissens zum Etwas des Wissens, das im Erleben der Wirklichkeit, im dialogischen Denken, im Sprachdenken, nicht in der Begriffssprache der Wissenschaft seinen Ursprung' und Ausdruck findet. Aber selbst in dieser scharfen Entgegensetzung zum philosophischen Idealismus überhaupt meint Rosenzweig, der Jünger Cohens, der unter dem Eindruck seiner großen Persönlichkeit steht, noch den eigentliehen wahren Sinn der Cohenschen Correlation von Gott und Ich, den religiösen Sinn seiner Philosophie zur Geltung zu bringen. (S. 29 ff.) Wir haben an anderer Stelle gezeigt, daß eine solche Deutung des Cohenschen Nachlaßwerkes irrig ist (vergl. Lewkowitz: Das Judentum und die geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts, S. 161 ff.}. Gegenüber der Auffassung der idealistischen Philosophie aber als einer nihilistischen Auflösung der Welt in Konstruktionen des menschlichen Geistes, in eine Leugnung der Wirklichkeit, muß auf Ludwig Feuerbach hingewiesen werden, der dem Idealismus tiefer ins Herz geblickt hat als Rosenzweig. Das Wesen der spekulativen Philosophie bezeichnet er als das ״rationalisierte, realisierte, vergegenwärtigte Wesen Gottes, die konsequente, die vernünftige Theologie". Es ist in der Tat der Irrtum des spekulativen Idealismus zu meinen, Glauben in Wissen verwandeln zu können. Auch Rosenzweigs gläubiges Denken ist nicht anderes als eine ״Erlebnistheologie", die als Aussage des religiösen Bewußtseins tief und wahr, wenn sie aber als wissenschaftliche Erkenntnis gelten will, dogrnatische Behauptung ist. Hier erfolgt im jüdischen Denken der Gegenwart jener Einbruch des Glaubens in das Wissen, jene Revolution in der Wissenschaft, gegen die Max Weber so heroisch angekämpft hat. Aber auch das religiöse Bewußtsein ist nicht in den Kategorien Schöpfung, Offenbarung, Erlösung erschöpft, sondern muß in der geschichtlichen Individualität des religiösen Bewußtseins, als konkrete Religion erfaßt werden. Wir wollen hier