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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 1
Article
Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart
Date
1935-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart 5 Welt, der sein ewiges Schöpferwort in ihr immer neu zu kreatürlicher Wirklichkeit gelangen läßt; in die gläubige Erkenntnis der Welt als der gestalteten, wirklich daseienden, immer neu geschaffenen Schöpfung; in die gläubige Erkenntnis vom Menschen als dem Empfänger der göttlichen Offenbarung, der Liebe Gottes. Diese von der Liebe Gottes getroffene und begnadete Menschenseele antwortet mit der völügen vertrauensvollen Hingegebenheit an sein Wort. ״Alles Glaubensbekenntnis hat nur den einen Inhalt: der, den ich im Erlebnis meiner Geliebtheit als den Liebenden erkannt habe, — er ist. Der Gott meiner Liebe ist wahrhaftig Gott/' (S. 231.) Darum aber kann jene Hingegebenheit an Gott nicht in bloßem Gefühl beschlossen bleiben, sie entfaltet sich zur Tat, der Liebe zum Nächsten. Aber nur die Gottgeliebtheit der Seele macht die Liebestal zu mehr als einer bloßen Tat, zur Er״ füliung eines Liebesgebotes. Im Gegensatz zum notwendiger- ־weise rein formalen und daher inhaltlich vieldeutigen moralischen Gesetz braucht das inhaltlich klare und eindeutige Gebot der Nächstenliebe eine Voraussetzung jenseits der Freiheit: Gott muß sich erst zum Menschen gekehrt haben, ehe der Mensch sich zu Gottes Willen bekehren kann. (S. 273 ff.) Im Kreis der Offenbarung folgt dem demütig-stolzen Hingegebensein der Seele in den Frieden der göttlichen Liebe die immer plötzliche, immer überraschende freie Tat der Nächstenliebe. Das Reich Gottes ist die Welt des ewigen Lebens, die Erlösung der Welt durch Gott. Von Gott nimmt die Erlösung ihren Ursprung, und der Mensch weiß weder Tag noch Stunde. Er weiß nur, daß er lieben soll und stets das Nächste und den Nächsten. Die Stunde weiß allein Er, der das Heute jeden Augenblick erlöst zur Ewigkeit. Hoffendes Vertrauen ist das Grundwort, worin die Vor Wegnahme der Zukunft in der Ewigkeit des Augenblicks geschieht. Die Ewigkeit im Augenblick ist das Schauen des Lichtes der Erlösung. . Schöpfung, Offenbarung, Erlösung sind die Kategorien des gläubigen Denkens; sie enthüllen die Wirklichkeit in ihren wahren Grundlagen und Beziehungen, während der philosophische Idealismus sich unter die Gewalt seiner eigenen Konstruktionen gibt und die Fühlung mit dem lebendigen

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